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Corona

Christoph Fux gibt Auskunft über die SwissCovid App, Ferien und Weiteres

Dr. med. Christoph Fux vom Kantonspital Aarau hat sich erneut Zeit genommen und über Skype viele Fragen der Argovia Hörerinnen und Hörer beantwortet.

Christoph Fux ist Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Aarau. Ein gefragter Mann in dieser Zeit. Trotzdem liess er es sich nicht nehmen, weitere Fragen aus dem Argovialand zu beantworten.

Welche Unklarheiten gibt es bei der SwissCovid-App?

«Hinter der App steckt ein ausgeklügeltes Konzept.»

«Hinter der App steckt ein ausgeklügeltes Konzept.»

Wie sicher ist es, in die Sommerferien zu gehen?

«Das ist eine Hochrisikosituation.»

«Das ist eine Hochrisikosituation.»

Wie lange müssen wir noch mit Einschränkungen rechnen?

«Die Einschränkungen bleiben noch einige Monate.»

«Die Einschränkungen bleiben noch einige Monate.»


Stand 25. März 2020:

Ist man definitiv immun, wenn man den Virus hatte?

Christoph Fux: «Wir gehen davon aus, dass es eine Immunität gibt, die sich wenigstens in den nächsten Monaten aufrecht hält. Ausserdem hoffen wir, dass sich das Virus nicht wie die jährliche Influenza verhält, die jedes Jahr ihr Erscheinungsbild verändert. Das würde nämlich bedeuten, dass bereits Infizierte nur teilimmun wären.»

Ab wann gibt es Medikamente und Impfungen erhältlich?

Christian Fux: "Medikamente gibt es bereits, das sind dieselben Medikamente die für HIV-, Ebola-, Malaria-Patienten benutzt wurden. Leider sind sie aber nicht so wirksam, wie wir es uns wünschten.

Die Impfung wird vermutlich auf Ende Jahr oder Anfang nächstes Jahr erhältlich sein."

Wieso werden nicht alle mit Symptomen getestet?

Christoph Fux: «Hierzu fehlen uns schlicht und einfach die Tests. Diese beziehen wir aus den USA oder Asien. Die beiden Länder brauchen die Tests momentan selber.»

Wie gut haltet unsere Gesellschaft die Regeln ein? Könnte es trotzdem eine Ausgangssperre geben?

Christoph Fux: «Wenn man mit Asien vergleicht, hält sich die Schweiz nicht so rigoros an die Regeln wie sie könnte. Oft treffen sich fünf Leute, weil man es ja darf. Die Regel sollte aber eigentlich sein: Je weniger, desto besser. Man könnte es also sicher noch besser machen.»

Wie lange bleibt kontaminiertes Material ansteckend?

Christoph Fux: «Das kann man im Einzelfall nicht sagen. Man sollte sich nicht fragen, welches Risiko beim Anfassen eines Gegenstandes besteht, sondern im Zweifel immer die Hände waschen.»

Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, sich unter Einhalten der Sicherheitsmassnahmen beim Einkaufen anzustecken?

Christoph Fux: «Beim vollständigen Einhalten des Abstands ist man extrem sicher, da die Tröpfchen nicht weiter fliegen. Dazu kommen aber die eventuell kontaminierten Gegenstände. Deshalb soll man sich dringend nach dem Einkaufen und bevor man sich ins Gesicht fasst die Hände waschen.»

Meine 84-jährige Mutter hat Krebs und hat im April einen Kontroll-Termin. Wer fährt sie am besten ins Spital? Die 19-Jährige Enkelin oder sie selbst? Welche Schutzmassnahmen braucht es?

Christoph Fux: «Man darf in der ganzen Aufregung nicht vergessen, dass es neben des Virus noch andere medizinische Sorgen gibt. Auf keinen Fall sollen Personen aus der Risikogruppe mit dem Öffentlichen Verkehr anreisen. Ausserdem sollte die Person, die sie fährt, sich möglichst gut an die ‹Social Distancing› Massnahmen halten. Und natürlich keinerlei Symptome aufzeigen: Bereits ein Kratzen im Hals oder ein Husten kann Ausdruck einer Erkrankung sein.»

Wie gefährlich ist der Virus für junge Menschen?

Christoph Fux: «Es gibt tatsächlich eine riesige Zunahme bei der Sterblichkeit bei hohem Alter und Grunderkrankungen. Für Kinder ist der Virus grundsätzlich unbedenklich. Bei Jüngeren unter 40 Jahren gibt es extrem selten Komplikationen und die Sterblichkeit am Virus ist sehr tief. Trotzdem ist es wie bei der saisonalen Grippe: Einzelfälle von jungen Menschen, die schwer erkranken gibt es sicher.»

Wie wahrscheinlich ist es, sich angesteckt zu haben, ohne es zu merken?

Christoph Fux: "Das kann man momentan nicht sagen. Es gibt Schätzungen, die zwischen wenigen bis 30 Prozent rechnen. Feststellen kann man das, wenn Antikörper-Tests an der Bevölkerung durchgeführt werden können. So erkennt man, wer Antikörper hat, obwohl er keine Symptome fürs Virus zeigte. Was man momentan tun kann, ist das ‹Social Distancing› einhalten, auch wenn man sich gesund fühlt. So steckt man sicher niemanden an. Diese Antikörper-Tests kommen in Kürze auf den Markt.

Es ist wie bei der normalen Grippe; Die Symptome hängen extrem vom Immunsystem ab. In einer Familie hat jemand starkes Fieber und Husten, andere vielleicht nur Schnupfen. Beim Coronavirus ist das gleich."


Schon bei TalkTäglich hat Dr.med. Fux über die Lage im Spital aufgeklärt:

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Quelle: TeleM1

Auch am 10. März, zu beginn der Corona-Krise war er zu Gast in der Argovia Morgenshow und hat viele Fragen beantwortet. Hier ist eine Auswahl.

Auch bei der saisonalen Grippe sterben viele Leute. Wieso macht man beim Coronavirus jetzt so eine grosse Sache draus?

Christoph Fux: «Es ist wichtig, dass wir uns bewusst sind: In der Schweiz sterben jedes Jahr über tausend Menschen an der Influenza. Es sterben zum Teil auch ganz junge Menschen, wo wir nicht verstehen, wieso sie. Und doch gibt es wesentliche Unterschiede. Der Hauptunterschied ist, dass wir mit dem neuen Coronavirus jetzt ein Virus haben, den die Menschen noch nie gesehen haben. Das bedeutet, die Menschen haben keine Antikörper und keine Abwehr. Deshalb trifft es viel mehr Menschen. Wir wissen, dass das Coronavirus etwas ansteckender ist als die Influenza und wir wissen auch, dass die Sterblichkeit an der Infektion höher ist. Das betrifft vor allem ältere Menschen. Unter 65-Jährige sind weniger betroffen, Kinder praktisch fast nicht. Bei den über 80-Jährigen kann die Sterblichkeit bis 15 Prozent betragen, wie wir von China wissen.»

Die Panik oder der Hype um das Coronavirus kommt von den Medien. Ihr berichtet viel zu viel darüber. Bei der Schweine- und Vogelgrippe wurde masslos übertrieben. Ist das nicht ein ähnlicher Fall?

Christoph Fux: «Die Situation ist anders als bei der Schweine- und Vogelgrippe»

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Warum darf man noch Zug fahren? Aber an kein Fussballspiel gehen?

Christoph Fux: «Eine Risikoreduktion ist wichtig. Je mehr ich der Masse aus dem Weg gehen kann, desto mehr kann ich mithelfen, dass sich das Virus nicht schnell ausbreitet. Es muss aber sinnhaft sein. Das heisst, wenn ich meine Funktion wahrnehmen kann, wenn ich im Alltag weiterhin funktionieren kann, dann kann ich das Risiko eingehen. Wenn es rein zum Spass ist, dann sollte ich im Moment besser drauf verzichten.»

Wird das Virus im Sommer vorbei sein?

Christoph Fux: «Bei der Influenza ist es glücklicherweise so, dass es im Frühling jeweils aufhört, wenn es wärmer und die Luft wieder etwas feuchter wird. Im Moment haben wir keine Hinweise drauf, dass das beim Coronavirus auch so ist. Wir haben diesbezüglich aber auch noch wenig Erfahrung aus den anderen Ländern. Das müssen wir beobachten. Ich befürchte aber, dass es nicht so einen grossen Unterschied machen wird.»

Wie sinnvoll wäre es, Unis zu schliessen?

Christoph Fux: «Ob man Institutionen schliesst, hängt etwas von der sogenannten Durchseuchung in den Gebieten ab. Also wenn man zum Beispiel merkt, dass in einer Universität oder in einem grossen Betrieb viele Menschen befallen sind und sich deswegen viele Leute rasch anstecken können, dann macht es Sinn, dort rigorose Massnahmen zu ergreifen. Auf Vorrat macht das aber keinen Sinn, weil wir davon ausgehen müssen, dass es ein Problem ist, dass über Wochen wenn nicht sogar Monate noch weitergehen wird.»

Dr. med. Christoph Fux beantwortete in der Argovia Morgenshow die Fragen aus dem Argovialand.

Kann ich ansteckend sein, auch wenn ich keine Symptome habe?

Christoph Fux: «Wir wissen von der Influenza, also unserer saisonalen Grippe, dass man etwa 1-2 Tage vor dem Auftreten der Symptome bereits ansteckend ist. Wahrscheinlich ist das auch beim neuen Coronavirus der Fall. Das macht es umso wichtiger, dass man die Massnahmen des Bundesamtes für Gesundheit einhaltet, sprich regelmässig Hände waschen und Distanz halten voneinander. Man hatte ganz am Anfang befürchtet, dass es beim Coronavirus mehr als 1-2 Tage ist, das sieht jetzt aber zum Glück nicht danach aus.»

Ich bin auf den ÖV angwiesen. Wie kann ich mich dort schützen und wie soll ich mich verhalten?

Christoph Fux: «Das Ziel ist im Moment, den ganzen Verlauf etwas zu verlangsamen. Das heisst, jeder sollte dazu beitragen die Übertragung von sich selber auf jemanden anders so gut wie es geht zu reduzieren. Das heisst: Kontakte nach Möglichkeit zu vermeiden. Im ÖV heisst das zum Beispiel, dass wenn man etwas angefasst hat, sich bei der Ankunft am Ziel die Hände wäscht. Das ist ein ganz wichtiger Faktor. Und sonst natürlich Distanz halten, so gut es im ÖV natürlich geht.»

Was mache ich, wenn ich Husten und Fieber bekomme. Wie verhalte ich mich?

Christoph Fux: «Test werden keine mehr gemacht. Bleibt zuhause»

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Ich habe Asthma. Bin ich jetzt besonders gefährdet?

Christoph Fux: «Besonders gefährdet sind ältere Menschen, aber auch die Menschen mit einer Grunderkrankung, vor allem Erkrankungen der Lunge, aber auch Menschen mit Diabetes und Menschen mit einem eingeschränkten Immunsystem.»

Ich muss ins Spital für eine Darmspiegelung. Lasse ich das nicht besser sein jetzt in Zeiten von Corona?

Christoph Fux: «Man muss aufpassen, dass man nicht überreagiert. Spitäler wie auch Arztpraxen geben sich extrem Mühe, Menschen mit Atemwegserkrankungen von den anderen zu separieren um Ansteckungen möglichst zu vermeiden. Was uns dramatische Beispiele wie Ebola lehren ist, dass man viel Schaden anrichten kann, wenn man überreagiert. Bei Ebola sind an gewissen Orten viel mehr Menschen gestorben, weil das Gesundheitssystem zusammenbrach weil man Malaria nicht mehr behandelt hat. Ich denke, es ist jetzt ganz wichtig, dass wir nicht die ganze Gesundheitsversorgung opfern und in Panik geraten, sondern dass wir eben genau so routinemässige Sachen jetzt doch machen.»

Würde es nicht Sinn machen, eine gezielte Ausbreitung des Coronavirus vorzunehmen so wie bei den Kindern mit den «Masern-Partys»?

Christoph Fux: «Das ist ganz heikel, weil es schnell auch Risikogruppen trifft»

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Rosa Zimmermann / Manuel Wälti