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Foto: Keystone
Whitney als Hologramm

Musiker sterben nicht mehr: Sie werden zu Hologrammen

«An Evening With Whitney» heisst die Hologram Tour, die am 19. März in der Samsung Hall in Zürich Halt macht. Mit der Tour soll Whitney's Einfluss auf die Szene und ihre Musik gefeiert werden.

Für Fans, die die magische Stimmung bei einem Whitney Houston Konzert erleben wollen, gibt es jetzt eine Möglichkeit die R&B Diva zu erleben. Die US- Produktionsfirma Base Hologramm gibt nämlich bekannt, dass Whitney's Hologramm nun auf Tour sei. Begleitet wird die, mit Laser projizierte Whitney von einem Live-Orchester und unzähligen Tänzern.

Schon Stars wie Roy Orbison, Buddy Holly, Maria Callas und Tupac wurden als Hologramm zurück auf die Bühne geholt und ein flimmernder Ronnie James Dio performte nicht nur beim Wacken-Festival 2016, sondern auch auf einer kurze europäischen Tour – und viele Zuschauer waren begeistert. Das Hologramm käme der echten Person unglaublich nahe. Katy Perry beispielsweise war zu Tränen gerührt, als der 1996 ermordete US-Rapper Tupac am Coachella Festival 2019 auftrat. Mit Base Hologramm, die auch Houston's Tour lancieren, ging auch die Opernlegende Maria Callas auf Hologramm-Tour.

Die projiezierte Callas musste aber auch viel Kritik ertragen. Kritiker sehen es hingegen als Beleidigung und als moralisch unvertretbar, verstorbene Künstler digital wieder zu beleben und mit ihnen Geld zu machen. Sie kritisieren ausserdem, dass die Gestik und Mimik der Künstler nicht realistisch sei. Das liegt daran, dass die Performance von einem Imitator aufgenommen wird, danach wird durch CGI das Aussehen des Künstlers darübergelegt. Dadurch dass das ganze Konzert vorher aufgenommen wurde, kann es gut sein, dass sich Houston einmal zu viel, oder zu wenig verbeugt. Logisch, sie kann ja nicht aufs Publikum eingehen.

Whitney is back

Houston starb 2012 in ihrer Badewanne, seit Jahren hatte sie mit ihrer Drogensucht gekämpft. Nun ist sie zurück; Ihre unsterbliche Hologramm-Version hat keine Macken und kann sich auch nicht aufs Publikum beziehen. Sie ist eine blosse Hülle. Bereits 2016 gab es ein Hologramm-Duett mit Christina Aguilera, in dem Houston eher unheimlich aussah.

Pat Houston, ihre ehemalige Managerin und die Ehefrau ihres Bruders Gary, sagte gegenüber der «New York Times»: «Die letzten sieben Jahre waren ziemlich emotional, aber jetzt geht es darum, strategisch zu sein.» Sie erklärte, dass Houstons Nachlass auf 14 Millionen Dollar geschätzt werde. Ein Broadway-Musical sei geplant, genauso ein Album mit Songs, die es nicht auf ihr Debütalbum geschafft hätten.

Wo bleibt der Respekt?

Die Nachfrage für Hologramm Konzerte ist gross. Aber wo bleibt der Respekt? Nur weil Künstler Geld bringen und tot sind, heißt es nicht, dass man mit ihnen alles veranstalten darf.

Die Kunst von Künstlern nach ihrem Tod zu verwursten, beschädigt ihr Vermächtnis. Genauso ist es mit Hologramm-Konzerten. Die Silhouetten sind per CGI produziert. Sie sind nicht die 3D-Replik eines wirklichen Auftritts zu Lebzeiten. Das wäre völlig in Ordnung.

Hologramme sind nur ein perfekter Abzug des Menschen, der perfekt aussieht und perfekt singen kann. Konzerte sind nicht so, Künstler sind nicht so. Und wir sollten nach dem Tod nicht so tun, als ob sie das waren.

Quelle: watson.ch