twinsfisch-GFKPATimbvM-unsplash
Foto: Unsplash
Mehr Stress

Mehr Albträume wegen Corona-Situation

Viele Leute berichten über schlechten Schlaf und negative Träume. Ein Schlafforscher erklärt das Phänomen.

Träumen wir wirklich mehr in dieser Zeit? Wird unser Schlaf schlechter? «Das höre ich in letzter Zeit ganz viel und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern auch aus dem Ausland». Jens Acker muss es wissen. Er ist Chefarzt an der Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach und am Flughafen Zürich.

«Viele Menschen berichten in der aktuellen Situation von Albträumen wegen der Corona-Problematik. Das nimmt die Leute sehr mit. Sie träumen negative Inhalte und sie denken auch, dass der Schlaf insgesamt schlechter wird wegen dem Stress», sagt Acker im Interview mit Radio Argovia. Grund für den Stress sei, dass sich die Leute viele Sorgen machen. Sorgen um den Job, die Finanzen, aber auch um Freunde und Verwandte: «Vielen Menschen macht es Probleme, dass sie nahestehende Personen derzeit weniger oder gar nicht treffen können.» Dieser Stress sei eine gute Erklärung, wieso für viele Menschen die Erholung im Schlaf in dieser Zeit schlechter ist.

Schlechte Träume bleiben uns länger

Wir träumen eigentlich immer, sagt Jens Acker. Und es sind nicht immer nur schlechte Träume. Trotzdem hat man das Gefühl, dass einem nur die schlechten Träume in Erinnerung bleiben. Das sei zum einen wegen dem Stress, zum anderen aber auch wegen der Länge des Schlafs – und da komme auch das Homeoffice ins Spiel, so Jens Acker: «Wir haben in normalen Zeiten zu kurzen Schlaf. Jetzt, wo wir wegen Homeoffice zum Teil mehr Zeit haben auszuschlafen, nehmen wir die Träume besser wahr.»

Damit wir uns an Träume erinnern können, müssen wir uns emotional berührt fühlen. Ausserdem müssen wir am Abend lange genug wach sein. In der aktuellen Zeit träumen viele Menschen Bilder aus dem Alltag, erzählt Acker weiter.

Guter Zeitpunkt, Schlafbedürfnis zu testen

Wieviel Schlaf jeder Mensch braucht, ist individuell unterschiedlich. Die aktuelle Situation sei aber ein guter Zeitpunkt, sein eigenes Schlafbedürfnis zu erforschen, erklärt Acker: «In Homeoffice Zeiten kann man gut testen: Wieviel Schlaf brauche ich eigentlich? Wenn sich das einpegelt, dass man ohne Wecker erwacht, dann hat man sein aktuelles Schlafbedürfnis». Acker fügt hinzu, dass sich das immer ändern kann: Wer viel arbeitet, braucht mehr Schlaf zur Erholung. Wenn man viel arbeitet, kann es sein, dass man sich mehr erholen kann.

Frühlingsmüdigkeit

Auch die Frühlingsmüdigkeit, die viele Menschen derzeit verspüren, ist keine Einbildung. «Es gibt diese Umstellung, bei der wir auf die veränderten Lichtverhältnisse im Frühling reagieren. Diese Umstellung, an der auch die Zeitumstellung dazu beiträgt), führt dazu, dass sich viele Menschen erst träge fühlen. Das Licht und der Frühling selber führen dann aber auch zu vermehrter Aktivität.»