Foto: Keystone (Symbolbild)

Dietikon

Mutter geht auf Lehrerin los

In Dietikon hat eine Mutter eine Lehrerin im Schulzimmer vor der Klasse tätlich angegriffen. Grund dafür dürfte eine vorsorgliche Massnahme der KESB gewesen sein.

Der Dietiker Schulvorsteher Jean-Pierre Balbiani bestätigte den Angriff, über den der «Blick» am Donnerstag berichtete. Der Vorfall passierte am 20. September im Schulhaus Wolfsmatt. 

Gemäss einem Elternbrief verschafften sich die Eltern eines Schülers trotz Platzverbot Zugang zum Klassenzimmer und griffen dort eine Lehrerin vor den Augen der Kindern verbal und körperlich an. Eine zweite Lehrerin wurde ebenfalls angegriffen. «Sie kam aus dem Nachbarzimmer dazu, um ihrer Kollegin zu helfen», sagte Balbiani.

Mutter suchte Sündenbock

Hintergrund der Tat dürfte eine vorsorgliche Massnahme der Kesb in Zusammenhang mit dem Kind sein, vermutete Balbiani. Denn die Schule hatte bei der Kesb eine Gefährdungsmeldung gemacht. «Es gab Hinweise auf häusliche Gewalt.» Diese Massnahme habe die Frau dann mit der Schule in Verbindung gebracht. «Sie suchte einen Sündenbock bei der Schule respektive der Lehrerin.»

Prävention und Nulltoleranz

Für die Schulen sei es sehr schwierig sich zu schützen, sagt Philipp Grolimund, Co-Präsident der Aargauer Schulleiter, gegenüber Radio Argovia. Das Wichtigste sei Prävention. Wenn es aber zu Drohungen kommt, gilt für Grolimund die Nulltoleranz.

Auch Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerverbands, war geschockt, als sie von diesem Fall erfahren hat: «Ich hoffe nicht, dass das eine Eskalationsstufe ist, an die wir uns in Zukunft gewöhnen müssen». In solchen Situationen sei es wichtig, dass die Behörden früh eingreifen, meint Abbassi weiter: «Schwierige Familiensituation zeichnen sich früh ab. Das merkt man oft schon im Kindergarten, wenn es ein Problem gibt». Oftmals scheiterten Massnahmen dann aber am Geld. 

Neuer Umfrage zum Thema Gewalt

Für Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands ist dies ein extremer Fall, aber kein Einzelfall: «Seit Lehrer auch Gefährdungsmeldungen an die Kesb weitermelden müssen, gibt es mehr solcher Fälle.» Die letzte Umfrage zum Thema Gewalt hat der Lehrerverband vor 15 Jahren unter den Lehrern durchgeführt. Nächstes Jahr soll nun aber eine neue Befragung stattfinden.

Reaktion Lehrerpräsident Beat Zemp
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Christoph Wasser / Manuel Wälti

Quelle: sda 26.10.2017

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