Jugendherberge in Zofingen wird zum Musikzentrum
ZOFINGEN

«Ich war baff, als ich von den Plänen hörte»: Die Jugendherberge muss ausziehen

Der Stadtrat hat den Vertrag per Ende 2021 gekündigt. Die Enttäuschung ist gross. Im Kanton gibt es zurzeit nur Jugendherbergen in Baden, Beinwil am See und Brugg.

«Aus der Jugendherberge soll ein Musikschulzentrum werden.» Das ist der überraschendste Satz in der Medienmitteilung des Zofinger Stadtrats zur Immobilienstrategie. Am Montagabend wurde diese dem Zofinger Einwohnerrat präsentiert.

Hintergrund: Rund 100 Gebäude sind im Besitz der Einwohnergemeinde Zofingen. Darunter sind Schulhäuser, Gebäude der Stadtverwaltung sowie weitere Liegenschaften. Aktuell wird mit einer Immobilienstrategie eine strategische Gesamtsicht erarbeitet. «Ziele sind die Optimierung der Wirtschaftlichkeit und der Verwaltungsabläufe, eine möglichst gute Auslastung aller Liegenschaften und die Definition der nötigen Raumreserven», steht in einer Medienmitteilung.

Die Konditionen sind für die Stadt nicht mehr tragbar

Als eine der Massnahmen wurde beschlossen, dass die Jugendherberge einem Musikschulzentrum weichen soll. Denn in der Friedau an der General-Guisan-Strasse befinden sich gleich zwei städtische Liegenschaften nebeneinander: Die Musikschule und das ursprüngliche Altersheim Friedau, in dem die Jugendherberge untergebracht ist.

«Da das Gebäude saniert werden muss, drängte sich die Frage auf, wie die Liegenschaft künftig genutzt werden soll», hält der Stadtrat fest. «Die Musikschule wächst und muss bereits heute auf mehrere Gebäude in der Altstadt ausweichen.»

Eine Zusammenführung an einem Standort verschaffe zahlreiche Vorteile. Darum habe sich der Stadtrat dazu entschlossen, den Vertrag mit der Jugendherberge per Ende 2021 zu künden. Die Stadt habe der Jugendherberge bisher das Gebäude zu Konditionen zur Verfügung gestellt, die für die Stadt nicht mehr tragbar seien. Mit dieser Massnahme könnten die frei werdenden Liegenschaften effizienter genutzt werden.

Grosser Verlust für Gäste

«Ich war baff, als ich zum ersten Mal von den Plänen des Stadtrats hörte», sagt Lucia Mächler, Betriebsleiterin der Zofinger Jugendherberge. «Auch das Team hat die Entscheidung erschüttert.» Die Jugendherberge gibt es seit 1987. Die Enttäuschung ist bei Lucia Mächler gross. Sie meint aber: «Es ist natürlich das Recht der Stadt, ihre Immobilien anderweitig zu verwenden. Für uns ist es aber ein Schock.»

Der Verein Schweizer Jugendherbergen äussert sich auf Nachfrage schriftlich: «Wir bedauern sehr, dass wir die Jugendherberge Zofingen zum Ende der Saison 2021 schliessen müssen.» Die Jugendherberge werde von Familien, Gruppen und Schulen, aber auch Einzelreisenden aufgrund ihrer zentralen Lage und des wunderschönen Parks mit altem Baumbestand geschätzt. «Für die Gäste bedeutet die Schliessung ein grosser Verlust», hält der Verein fest. «Die zentrale Lage, die geschichtsträchtige Altstadt und das vielfältige Veranstaltungsprogramm locken zahlreiche Übernachtungsgäste in die Stadt Zofingen und in die Region.» Durchschnittlich 6000 Gäste übernachteten jährlich hier.

Im Aargau gibt es nur drei weitere Jugendherbergen

«Ich gehe davon aus, dass vor allem unsere vielen Stammgäste enttäuscht sein werden», ergänzt Mächler. Die Jugendherberge gehöre zum Stadtbild und habe eine günstige Übernachtungsmöglichkeit geboten. «Das wird es nach unserer Schliessung nicht mehr geben», meint Mächler. «Zudem konnte man bei uns Geburtstage und Hochzeiten feiern und die Räumlichkeiten günstig mieten. Auch das wird in Zofingen fehlen.»

Ob es künftig noch eine Jugendherberge in Zofingen geben wird, ist unklar. Im Kanton gibt es zurzeit Jugendherbergen in Baden, Beinwil am See und Brugg sowie bis Ende 2021 noch in Zofingen.

Quelle: Aargauer Zeitung