50 Jahre «Tatort»
TV-Krimi

50 Jahre «Tatort» - alte Liebe rostet nicht

Seit Ende November 1970 zieht die Krimiserie «Tatort» immer sonntags Millionen Fernsehzuschauer in ihren Bann.

Sie heissen Batic, Odenthal, Borowski, Lindholm, Eisner, Ballauf, Lessing, Boerne oder neuerdings auch Grandjean. Und sie haben eines gemeinsam: Sie sind Kommissarinnen und Kommissare in der erfolgreichsten deutschen TV-Krimiserie aller Zeiten, dem «Tatort». Nur schon die Aufzählung dieser Namen sorgt für Diskussionsstoff bei Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Welches ist die kompromissloseste Ermittlerin? Welcher Kommissar hat die grössten Macken? Welches Duo passt am besten zusammen? Fragen über Fragen, die immer am Sonntag Abend gestellt werden, wenn zur besten Sendezeit auf SRF, ARD und ORF die neueste Tatort-Folge ausgestrahlt wird.

88 Minuten und 30 Sekunden Kult

Während knapp anderthalb Stunden - ganz genau 88 Minuten und 30 Sekunden! - sind seit 50 Jahren Städte wie München, Dortmund, Wien, Münster, Luzern, Köln, Dresden, Zürich und noch viele mehr Schauplätze von spannenden, brutalen, langweiligen, komplizierten, einfältigen, emotionalen, grossartigen und zuweilen absurden Kriminalgeschichten. Mal fliesst mehr Blut, mal weniger. Mal liefert die Ausländerkriminalität das Thema, mal die Genderdiskussion.

«Scheisse!»

Fast 27 Millionen Menschen sassen am Neujahrstag 1978 vor ihren Fernsehgeräten und verfolgten nägelkauend die Tatortfolge «Rot - rot - tot» mit Curd Jürgens in der Rolle eines Serienmöders. Dieser Rekord ist bis heute ungebrochen. In Zeiten von Internet und Netflix ist es aber eine Sensation, dass eine Krimi-Serie im altehrwürdigen, linearen Fernsehen auch heute noch im Schnitt zwischen 9 und 13 Millionen Zuschauer anlockt. Das Erfolgsrezept? Das ideale Gemisch aus kurzweiligen Geschichten, der perfekten Sendzeit und Darstellern, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. Stilprägend und von Anfang an ein riesiger Aufreger für die wohlerzogene, ältere Generation war Götz George (†2016), der sich zwischen 1981 und 1991 als Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski durch 29 Tatortfolgen prügelte, schmuste, soff und fluchte. Als «Ruhrpott-Rambo» abgestempelt, machte er das Wort «Scheisse» im deutschen Sprachgebrauch salonfähig.

400 D-Mark für zwei Augen und zwei Beine

Viele Dinge ändern sich, der «Tatort» bleibt. Die berühmte Titelmelodie von Filmkomponist Klaus Doldinger immer noch die selbe wie bei der Tatortpremière am 29. November 1970 («Taxi nach Leipzig»). Das Augenpaar und die rennenden Beine im Vorspann sind seit 50 Jahren diejenigen des Schauspielers Horst Lettenmayer. Er erhielt damals für seinen Einsatz von der Produktionsfirma 400 D-Mark bar auf die Hand. Und heute? Nach dem Tatort ist vor dem Tatort, und so freuen sich Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum bereits heute auf den nächsten, 88 Minuten und 30 Sekunden dauernden TV-Krimi.

Urs Hofstetter