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Schweiz

Täglich zwei Jugendliche mit Suizidgedanken

Bei der Notrufnummer 147 von Pro Juventute nimmt der Anteil der Beratungen zu schwerwiegenden Problemen weiter zu.

Schweizer Jugendliche fragen bei «Beratung + Hilfe 147» vermehrt wegen schwerer persönlicher Krisen um Rat, also etwa wegen Selbstzweifeln, Angst und Überforderung. Beratungsgespräche zu Sexualität und Liebe werden dagegen immer seltener.

Der Anteil der Fragen, welche Sexualität und Liebe betreffen, nimmt seit Jahren laufend ab, wie aus den am Mittwoch publizierten Zahlen des Jahres 2016 hervorgeht.

Mittlerweile geht es nur noch in knapp 14 Prozent aller Beratungen per Telefon, Chat, SMS oder E-Mail um Fragen zu Sex und Liebe. Im Jahr 2012 lag dieser Anteil noch bei über 20 Prozent.

Pro Juventute erklärt sich die Abnahme vor allem damit, dass Jugendliche heute andere Kanäle haben, um sich über Verhütung, Homosexualität oder Sexting zu informieren. Statt einer persönlichen Beratung holen sie sich lieber anonym Rat im Internet.

Zwei Jugendliche mit Suizidgedanken pro Tag

Deutlich zugenommen haben in den vergangenen Jahren hingegen die Anfragen wegen schwerer, persönlicher Probleme. In bereits 25 Prozent aller Pro-Juventute-Beratungen ging es 2016 um Selbstzweifel, Angst, Stress und Überforderung. Im Jahr 2011 beispielsweise lag dieser Anteil erst bei 15,5 Prozent.

Im Schnitt meldeten sich im vergangenen Jahr jeden Tag zwei Jugendliche mit suizidalen Absichten. Einmal pro Woche musste eine Krisenintervention ausgelöst werden, weil das Leben der Jugendlichen akut gefährdet war.

Verändert hat sich in den vergangenen Jahren auch die durchschnittliche Gesprächsdauer: 2016 dauerte eine Beratung im Schnitt über viereinhalb Minuten. Im Jahr 2012 waren es erst zwei Minuten und 45 Sekunden.

Quelle: Radio Argovia / Tim Eppler 11.5.2017

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