Foto: Andreas Muhmenthaler

Erziehung

«Man schaut heute ganz genau, ob eine Frau eine gute Mutter ist»

Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm über eine heiss diskutierte Frage im Argovialand

Kein anderes Dilemma hat das Argovialand so bewegt, wie das von Adrian*. Er hat sich mit folgender Frage an unsere Rubrik «Frog s'Argovialand» der Argovia Firobigshow gewandt:

Schon kurz nach Veröffentlichung der Frage auf Facebook und Instagram hagelte es Kommentare. Viele User, vor allem weibliche, pflichteten Adrian bei 

«Als Erstes sollte man sich die Frage stellen wieso man überhaupt Kinder möchte!? Wohl kaum um sie in die Kita oder bei den Grosseltern abzugeben, oder?»

Verständnis für die Mutter gab es hingegen auch. Einige User wunderten sich, wieso der Vater nicht reduziere.

«Lustig, dass der liebe Adrian das Gefühl hat, sein Kind brauche die Mutter. Liebe, Fürsorge, Schutz und Zeit können Väter genauso gut geben. Übrigens können sie auch super Windeln wechseln und Schöppeli geben.»

Und so haben Nicole Bühler und André Sauser das Dilemma von Adrian in der Sendung zusammengefasst:

Fazit für Dilemma von Adrian
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«Viele Paare sind sehr unsicher, und wissen nicht genau, was richtig ist»

Kita ja oder nein? Und wenn ja, wieviele Tage? Da scheiden sich in der Gesellschaft die Geister. Das weiss auch Margrit Stamm. Die Aarauer Erziehungswissenschaftlerin kennt das Dilemma der Mütter, welche nach dem Mutterschaftsurlaub wieder arbeiten möchten. «Für Leute, die Teilzeit arbeiten, ist es eine riesige Provokation, wenn eine Mutter gleich wieder fünf Tage die Woche arbeitet», sagt Stamm im Interview mit Radio Argovia «Man schaut heute ganz genau, ob eine Frau eine gute Mutter ist. Das war früher nicht so intensiv». 

Die Gesellschaft habe klare Vorstellungen: Eine Mutter soll sich ihrem Kind widmen, muss seine Bedürfnisse befriedigen und soll ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen. «Eine Mutter darf berufstätig sein daneben, aber sie soll in erster Linie schauen, dass sie eine gute Mutter ist.»

Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm im Interview
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Wegen der vielen verschiedenen Meinungen seien viele Paare sehr unsicher und wüssten nicht genau, was richtig sei. 

Wieviele Tage in die KITA?

Grundsätzlich könne man nicht sagen, wieviele Stunden ein Kleinstkind höchstens in die KITA soll. Margrit Stamm meint, es sei sicher nicht ideal, wenn ein Kleinstkind 5 Tage in der KITA verbringe: «Man geht davon aus, dass 6 bis 7 Stunden in der KITA für ein Kleinkind so stressig sind, wie ein Arbeitstag im Grossraumbüro für einen Erwachsenen.»

Wichtig sei ein Gespür zu entwicken um zu wissen, was für sein Kind die beste Lösung sei. Die Bedürfnisse der Kinder müssten in den Mittelpunkt gestellt werden. Deshalb empfiehlt die Expertin, dass man langsam aufbaut und vielleicht am Anfang ein wenig kürzer trete. Ob das der Vater oder die Mutter sei, spiele keine Rolle. «Es gibt nachher noch so viele Jahre, in denen man im Beruf Vollgas geben kann»

*Name geändert

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