Weltalphabetisierungstag
Welt-Alphabetisierungstag

«Als Kind wurde ich als dumm, als nicht fähig abgestempelt»

Der Freiämter Urs Koch (46) hat eine angeborene Schreibschwäche. Aber auch Lesen macht ihm Mühe.

Rund 800'000 erwachsene Personen in der Schweiz haben Mühe mit Lesen und Schreiben. Das tönt nach viel - und ist es auch: Umgerechnet jeder 10. Erwachsene hat eine Lese- und/oder Schreibschwäche. Einer von ihnen ist Urs Koch aus dem Freiamt, 46 Jahre alt, selbständiger Systemtechniker. Er hatte bereits als Kind Mühe mit Schreiben und Lesen und wurde dafür von seinen Mitschülern oft gehänselt, wie er im Interview mit Radio Argovia sagt. «Das hat bei mir Narben hinterlassen. Mittlerweile stehe ich aber darüber», so Koch.

Viele Betroffene würden ihre Lese- und Schreibschwäche ein Leben lang verdrängen oder verheimlichen, indem sie in kritischen Momenten sagten, sie hätten ihre Brille nicht dabei oder die Schreibhand verstaucht. Koch selbst steht zu seiner Schwäche, er stolpert beim Schreiben vor allem immer wieder über ein Wort: «Eigentlich». «Eigentlich ist ‹eigentlich› ja ein einfaches Wort», schmunzelt Urs Koch. Aber er müsse jedes Mal von Neuem überlegen, wie man das Wort richtig schreibt.

Mit Medikamenten lässt sich dieses Problem nicht lösen

Gegen Lese- und Schreibschwäche gibt es keine Pillen oder Pülverchen. «Ich habe durch die Schwäche gelernt, mich anzustrengen und nicht aufzugeben», sagt Urs Koch. Der Weltalphabetisierungstag vom 8. September soll aber auch darauf hinweisen, dass es Hilfe von aussen gibt. So können Menschen mit Lese- und Schreibschwäche bei der Organisation «Lesen und Schreiben für Erwachsene Aargau» Kurse und Beratungen in Anspruch nehmen.

Urs Hofstetter