Taylor Swift sorgt indirekt für mehr Verkehrsunfälle?
An Veröffentlichungstagen besonders erfolgreicher Musikalben sterben in den USA offenbar mehr Menschen bei Verkehrsunfällen als üblich. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam unter anderem von der Harvard Medical School in Boston.
Die Forschenden untersuchten Verkehrsunfälle zwischen 2017 und 2022 und verglichen die Zahlen mit den Veröffentlichungstagen besonders häufig gestreamter Alben. Insgesamt kamen in diesem Zeitraum 233'809 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben.
Dabei zeigte sich ein auffälliges Muster: An Tagen, an denen ein grosses Album erschien, lag die bereinigte Zahl der Verkehrstoten rund 15 Prozent höher als an den jeweils zehn Tagen davor und danach. Im Durchschnitt waren es an Veröffentlichungstagen rund 139 Todesopfer, an den Vergleichstagen rund 121.
Taylor Swift und Drake besonders oft vertreten
Für die Untersuchung betrachtete das Team die zehn Alben aus den untersuchten Jahren, die innerhalb eines Tages besonders häufig gestreamt wurden. Darunter befinden sich mehrere Veröffentlichungen von Taylor Swift und Drake sowie Alben von Bad Bunny und Kendrick Lamar.
Gleichzeitig stieg das Musik-Streaming an den Veröffentlichungstagen um rund 43 Prozent. Die Daten aus dem US-Unfallregister «Fatality Analysis Reporting System» wurden dafür mit Streaming-Zahlen von Spotify verglichen.
Doch was hat neue Musik mit Verkehrsunfällen zu tun?
Taylor Swift
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Ablenkung am Steuer als mögliche Erklärung
Die Forschenden vermuten, dass die Bedienung von Musikangeboten während der Fahrt eine Rolle spielen könnte. Wer auf dem Smartphone oder über das Infotainmentsystem ein neues Album auswählt, Songs sucht oder die Wiedergabe steuert, ist zumindest für kurze Zeit vom Verkehr abgelenkt.
Auch das Musikhören selbst könne gemäss früheren Untersuchungen die Aufmerksamkeit beeinflussen.
Einen direkten Beweis dafür, dass Taylor Swift, Drake und Co. tatsächlich für zusätzliche Unfälle sorgen, liefert die Studie allerdings nicht. So ist etwa unbekannt, ob die konkreten Unfallopfer zum Zeitpunkt des Unfalls überhaupt eines der neu erschienenen Alben hörten.
Nicht jedes Album zeigt den gleichen Effekt
Auch zwischen einzelnen Veröffentlichungen gibt es grosse Unterschiede. Bei Drakes Album «Her Loss» aus dem Jahr 2022 stieg die Zahl der Verkehrstoten an dessen Veröffentlichungstag laut Studie deutlich stärker als bei seinem ein Jahr zuvor erschienenen Album «Certified Lover Boy».
Forschende der Universität Toronto, die die Studie kommentierten, halten den gefundenen Zusammenhang zwar für plausibel. Gleichzeitig warnen sie davor, aus den Ergebnissen konkrete Vorhersagen für kommende Album-Veröffentlichungen abzuleiten.
Ob Taylor Swift also tatsächlich indirekt für mehr Verkehrsunfälle sorgt, bleibt offen. Die Studie zeigt aber: An Tagen mit besonders grossen Musik-Releases passiert auf US-Strassen statistisch etwas Auffälliges.