Ein Thaishop in Schöftland verteilt nach Ladenschluss gratis Essen an Seniorinnen und Senioren.
Foto: zVg
Herzensgüte

«Ihre Dankbarkeit ist Bezahlung genug»: Thailänderin bietet Senioren gratis Essen an

Ein Aufruf eines thailändischen Take-away-Stands entzückt momentan ganz Schöftland. Kurz vor Ladenschluss verteilt die Inhaberin die übrig gebliebenen Mahlzeiten aus ihrem Laden an die Seniorinnen und Senioren aus der Gemeinde. ArgoviaToday konnte mit der Ladenbesitzerin sprechen.

In der Facebook-Gruppe «Du besch vo Schöftle wenn...» geht momentan ein Post regelrecht durch die Decke. Auf dem Bild zu sehen ist eine handgeschriebene, fünfzeilige Notiz, auf der steht: «Seniorinnen und Senioren, welche wenig Geld besitzen, dürfen von Montag bis Samstag nach Ladenschluss gratis Essen abholen.» Recherchen zeigen, dass es sich beim Laden um den Kon Thai Shop in Schöftland handelt. Dass die Inhaberin, Yupehn Heber, mit ihrer Aktion für so viel Aufsehen sorgt, hätte sie nicht gedacht.

«Es handelt sich um eine Herzensangelegenheit»

Auf die Idee gekommen ist Heber, weil sie immer wieder beobachtete, wie Seniorinnen und Senioren an ihrem Take-away-Stand in ihrem Portemonnaie nach Geld suchten. «Das mit anzusehen, hat mich sehr traurig gemacht. Ich wollte sie einfach etwas unterstützen.»

Einige Rentnerinnen und Rentner erzählten Heber zudem, dass sie ihre Abende oft alleine verbringen müssen. Ihrer Verwandten und Bekannten seien bereits verstorben oder hätten keine Zeit für sie. Eine Situation, welche die gebürtige Thailänderin nachvollziehen kann: «Ich lebe zwar seit rund 25 Jahren in der Schweiz und habe vier Kinder, trotzdem weiss ich, wie einsam es sein kann. Ich bin sehr weit weg von zu Hause und meine Freunde und Familienmitglieder leben grösstenteils in Thailand.» Lediglich ein paar Mal war es ihr möglich, ihre Eltern zu besuchen. Wann sie sie zuletzt gesehen hat, daran kann sich Heber nicht mehr erinnern.

Schon oft wurde ihr die Frage gestellt, weshalb sie das Angebot nur für Seniorinnen und Senioren geltend macht und nicht für die Allgemeinheit. «Es handelt sich lediglich um eine Herzensangelegenheit. Ich kann ja schliesslich nicht für alle schauen. Für das wäre mein Laden einfach zu klein», so die Inhaberin. Auch könnten sich die jüngeren Generationen, welche meist noch berufstätig sind, ihre Mahlzeiten gut leisten.

Beitrag von Radio Argovia zum Nachhören

Dankbare Kundschaft

Gefragt sind laut Heber vor allem die warmen Mahlzeiten. So beispielsweise gebratener Reis mit Hühnchen und ihr traditionelles Massaman Curry. Abgeholt werden können die Gerichte zwischen 17 Uhr und 17.30 Uhr, dabei handelt es sich um die Reste, welche tagsüber nicht verkauft wurden. Dass sie für die Gerichte nicht bezahlt wird, findet die Inhaberin nicht schlimm: «Ihre Dankbarkeit ist mir meist Bezahlung genug.» Doch die Thailänderin geht sogar noch einen Schritt weiter: «Ich biete ihnen an, die Mahlzeiten in meinem Laden an den Tischen zu essen. Da können sie mit Gleichgesinnten ihre Zeit verbringen.» Mittlerweile handelt es sich dabei bereits um Stammgäste.

Sitzenbleiben können die Gäste, bis Heber den Abwasch gemacht und die Vorbereitungen für den nächsten Tag erledigt hat. Danach müssen sie ihren Take-away verlassen, denn für die Thailänderin geht es bereits zur nächsten Tagesaufgabe: «Ich muss nach der Arbeit nach Hause, um mich um meine Kinder zu kümmern», so die vierfache Mutter. Ihr ist es wichtig, genügend Zeit mit ihnen zu verbringen.

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Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 16. März 2023 07:46
aktualisiert: 16. März 2023 07:46