Der QR-Code lässt sich mit der Kamera des Smartphones einscannen.
Foto: SIX/Screenshot Youtube
Wirtschaft

Der neue Einzahlungsschein ist da: So bezahlen Sie Ihre Rechnungen künftig mit dem QR-Code

Die klassischen orangen und roten Einzahlungsscheine sind bald passé, ab 30. Juni kommt die QR-Rechnung in Umlauf. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Art des Zahlens.

Dank der QR-Rechnung werde das Zahlen einfacher. So wirbt der Finanzdienstleister SIX für den neuen Einzahlungsschein. Was Sie als Konsument über die QR-Rechnung wissen müssen.

1. Was ist überhaupt ein QR-Code?

Quick-Response-(QR)-Codes sind schwarz-weisse Würfelmuster, die mit dem herkömmlichen Strichcode auf Produkten verwandt sind. In einem QR-Code lassen sich umfangreiche Informationen einbetten. QR-Codes kommen häufig bei der Post als digitale Briefmarken oder im Bahnverkehr auf digitalen Billets zum Einsatz.

2. Wie zahle ich als Rechnungsempfänger mit dem neuen Einzahlungsschein?

Für die Rechnungsempfänger wird es einfacher. Der neue Einzahlungsschein enthält einen QR-Code, der alle für die Zahlung notwendigen Informationen enthält. Er lässt sich per Smartphone, PC-Kamera oder einem Lesegerät erfassen. Damit fällt das mühselige Abtippen von Konto- und Referenznummer weg. Das Bezahlen werde dadurch schneller und weniger fehleranfällig, teilt die SIX mit. Wer will, kann die Kontoangaben aber noch immer manuell eingeben.

3. Welche Zahlungsmöglichkeiten gibt es?

Konkret haben Konsumentinnen und Konsumenten drei verschiedene Möglichkeiten, wie sie eine QR-Rechnung bezahlen können.

Via E-Banking: Das E-Banking auf dem Computer oder dem Laptop öffnen, den QR-Code mit der Computerkamera einscannen und die Zahlung mit einem Klick auslösen.

Via Mobile Banking: Die Mobile-Banking-App der eigenen Bank auf dem Smartphone öffnen, den QR-Code mit der eingebauten QR-Reader-Funktion der Smartphonekamera einscannen und mit einem Fingertipp die Zahlung auslösen.

Per Post: Die QR-Rechnung kann gleich wie ein bisheriger Einzahlungsschein auch am Postschalter und Einzahlautomaten bezahlt oder per Zahlungsauftrag im Couvert an die Bank bezahlt werden.

Grundsätzlich ist die Zahlung der QR-Rechnung auch bereits per Twint möglich. Der jeweilige Rechnungssteller muss diese Methode allerdings wollen und mit Twint als Zwischenvermittler vereinbart haben.

4. Was muss ich als Rechnungsempfänger beim Bezahlen dringend beachten?

Wer mittels QR-Rechnung bezahlt, sollte das, was im QR-Code hinterlegt ist, jedes Mal mit dem Klartext (rechts vom QR-Code) abgleichen, bevor er die Zahlung freigibt. E-Mails seien als Versandkanal für QR-Rechnungen zudem weniger geeignet als der physische Postversand, weil sie anfälliger für Manipulationen seien, sagt Marco Menotti, Konzernleitungsmitglied der SIX. Auch darauf sollte man als Kunde also speziell achten.

Das Sicherheitsproblem habe sich im Vergleich zu den herkömmlichen Einzahlungsscheinen aber nicht verschärft, meint Menotti.

5. Wie sieht die QR-Rechnung aus?

Die QR-Rechnung ist in weiss gehalten, mit schwarzer Schrift. Sie ersetzt die bisherigen sieben orangen, roten und neutralen Einzahlungsscheine. Ein Empfangsschein dient als Bescheinigung (Quittung) bei Bareinzahlungen am Postschalter. Der Zahlteil enthält den QR-Code mit allen notwendigen Daten sowie zusätzlich abgedruckte Zahlungsinformationen.

In den Zahlungsinformationen werden etwa der Name und die Adresse des Zahlungsempfängers, die IBAN sowie die Referenznummer aufgeführt. Auch Währung und Betrag sind aufgedruckt. Rechnungssteller können zudem zusätzliche Informationen wie Zahlungszweck, Zahlungskonditionen oder Mehrwertsteuer vermerken.

Muster einer fiktiven QR-Rechnung mit Rechnungsformular (gesamter oberer Teil), Empfangsschein (unten links) und Zahlteil (unten rechts). Die einzelnen Bestandteile lassen sich durch eine perforierte Linie voneinander abtrennen.
Foto: SIX/Screenshot

6. Bleiben die alten Einzahlungsscheine weiterhin gültig?

Ja. Während einer Übergangsphase ist es weiterhin möglich, parallel die heutigen roten und orangen Einzahlungsscheine für Zahlungen zu nutzen. Niemand müsse seine Zahlungsgewohnheiten ändern, wenn er dies nicht wolle, da die bisherigen Zahlkanäle bei Post und Banken wie bisher bestehen bleiben, hält die SIX fest. «Wir nehmen den Konsumenten nichts weg, sondern stellen ihnen die QR-Rechnung als zusätzliche Zahlungsmöglichkeit zur Verfügung», sagte Patrick Graf, Verwaltungsratspräsident von SIX Interbank Clearing an einer Medienkonferenz am Dienstag.

Das Enddatum für die heutigen Einzahlungsscheine sei noch nicht festgelegt. Sobald sich QR-Rechnungen als neues Zahlungsmittel durchgesetzt hätten, entscheide man, wann die alten Belege vollständig vom Markt genommen werden.

7. Wann werden die QR-Rechnungen in Umlauf gebracht?

Ab 30. Juni können erste QR-Rechnungen statt der gewohnten Einzahlungsscheine bei Rechnungsempfängern eintreffen. Die Schweizer Banken würden ihre Mobile-Banking- und E-Banking-Lösungen pünktlich auf dieses Datum für die Bezahlung der neuen QR-Rechnungen anpassen, sagt die SIX. Konsumenten müssen nichts unternehmen.

Für die rechnungsstellenden Unternehmen ergeben sich jedoch einige Änderungen: Sie müssen Anpassungen bei der Kreditoren- und Zahlungssoftware sowie bei Lesegeräten und Scanning-Plattformen vornehmen. Erst dann können QR-Rechnungen empfangen und bezahlt werden.

8. Warum wird überhaupt auf QR-Rechnungen umgestellt?

Die QR-Rechnung ist Teil des «Aktionsplans Strategie Digitale Schweiz» des Bundesamts für Kommunikation. Langfristig soll der Schweizer Zahlungsverkehr digitalisiert werden. Papierbasierte Zahlungen seien rückläufig und E-Banking mittlerweile der meistgenutzte Kanal, sagt die SIX. Auch Mobile Banking gewinne an Bedeutung.

Die QR-Rechnung geht nun einen Mittelweg zwischen der papierbasierten und papierlosen Form des Zahlens. Mehrere Anbieter haben aber bereits auch auf die rein digitale eBill-Funktion umgestellt. Dabei können Kunden elektronische Rechnungen direkt in ihrem E-Banking empfangen.

9. Im Jahr 2012 begann man mit der Planung des neuen Einzahlungsscheins. Warum erscheint er erst jetzt?

Der neue Einzahlungsschein hat massive Verspätung, weil es bei der Ausarbeitung zu zahlreichen Verzögerungen kam. Erst stellten die Planer fest, dass der zentrale QR-Code, in dem alle auf dem Beleg aufgedruckten Zahlungsinformationen enthalten sind, zu klein gestaltet war.

Anfang 2018 wurde der Zeitplan angepasst, da viele Firmenkunden nicht genügend schnell auf die neue Technologie umstellen konnten. Die Einführung wurde deshalb auf Mitte 2019 verschoben, doch auch dabei blieb es nicht. Weil zahlreiche Finanzplayer bei der Gestaltung des Einzahlungsscheins mitreden wollten, mussten mehrere Entwürfe vorgestellt und Änderungen umgesetzt werden. Dazu gehörte unter anderem der Empfangsschein, der wie bei den bisherigen Einzahlungsscheinen durch eine perforierte Linie abgetrennt werden kann.