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Airline-Pleiten treiben Kunden ins Reisebüro

Während die Kunden abgesichert sind, kann ein Grounding ein kleines Reisebüro in den Ruin treiben. Trotzdem profitieren die Reisebüros auch von den Unsicherheiten in der Branche.

Erst die britische Monarch, jetzt Air Berlin. Die Liste der ehemaligen Fluggesellschaften wird im Jahr 2017 wohl um mindestens zwei Schwergewichte erweitert. Vielleicht kommt nach der Swissair und der Hello auch noch Skywork hinzu. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat der Berner Airline per Ende Oktober wegen fehlender finanzieller Mittel die Betriebsbewilligung entzogen.

Kunden sind abgesichert - Reisebüros nicht

Wer seinen Flug auf eigene Faust bucht (z.Bsp. direkt bei der Airline), geht im Schadensfall leer aus. Für Kunden, die in einem Reisebüro eine Pauschalreise gebucht haben, sind diese Konkurse eigentlich kein Problem. «Das Reisebüro oder der Reiseveranstalter muss den Kunden eine Alternativ-Lösung finden. Ansonsten sind sie dazu verpflichtet, dem Kunden den Gesamtbetrag zurückzuerstatten», erklärt Walter Kunz, Geschäftsführer Schweizer Reise-Verband (SRV) gegenüber der Reisesendung «Relax». Anders sieht das bei den Reisebüros aus. «Die Reisebüros sind - als einzige Branche übrigens - verpflichtet, Kundengelder abzusichern. Weil die Fluggesellschaften das nicht müssen, haften die Reisebüros und tragen so die Risiken der Airlines».

Walter Kunz, Geschäftsführer Schweizer Reise-Verband (SRV)
Walter Kunz, Geschäftsführer Schweizer Reise-Verband (SRV)

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Im schlimmsten Fall Konkurs des Reisebüros

Die Folgen eines Airline-Konkurses können vor allem für kleine Reisebüros schlimme Konsequenzen haben. Immer mehr Kunden möchten für ihre Reisen nämlich spezielle Wünsche erfüllt haben und wollten deshalb kein Reiseprogramm mehr «von der Stange». Zum Beispiel soll der Hinflug am Mittwoch, der Rückflug am Samstag erfolgen. Die Reise soll keine Woche mehr gehen, sondern zehn Tage. «In diesem Fall wird das Reisebüro zum Veranstalter und haftet somit für die Reise», erklärt Walter Kunz. 

Was bedeuten Airline-Pleiten für Reisebüros?
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Kunden gehen wieder vermehrt ins Reisebüro

Für die Reisebüros gibt es aber auch einen positiven Nebeneffekt. Viele Reisende buchen wieder im Reisebüro und nicht mehr im Internet. «Wir merken schon in diesem Jahr, dass die Menschen wieder vermehrt ins Reisebüro kommen», sagt Kunz. Das sei aber sein persönliches Empfinden «Das hat vielleicht auch mit der geopolitischen Situation zu tun, weil es in gewissen Ländern Unsicherheiten gibt. Da merkt man, dass die Konsumenten lieber ins Reisebüro kommen».

Manuel Wälti

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