Diese Sekte tyrannisiert ein ganzes Tal und muss weg

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Halleluja, im neuen «Far Cry 5» bodigen wir eine Sekte!

Watson konnte exklusiv die ersten Stunden von «Far Cry 5» anspielen. Trotz bekanntem Spielmechanismus wird dieser Actionshooter lange und intensiv an den Bildschirm fesseln. Ihr müsst nur daran glauben.

Entweder ist dieser Sektenführer total clever, oder die Schäfchen, die ihm blind folgen, sind einfach nur strohdumm. Wahrscheinlich trifft beides zu. Aber man muss es neidlos zugeben: Was sich dieser Guru Joseph Seed in einem abgelegenen Bergtal erschaffen hat, ist schon sehr beeindruckend. Hope County scheint ein Paradies auf Erden zu sein. Malerische Landschaften, angenehmes Klima und eine üppige Flora und Faune laden ein, sich in diesem Teilgebiet im US-Bundesstaat Montana niederzulassen.

Warum auch nicht? Die Welt ist verdorben und steht kurz vor der totalen Apokalypse. Die Menschen sind falsch geworden, gierig und blind. Das jüngste Gericht steht kurz vor der Tür und der Tod ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Aber Joseph Seed, der neue Jesus, empfängt alle mit offenen Armen in seinem Tal und bereitet sich mit einer riesigen Armee gegen alle Eindringlinge vor.

Erste Mission geht in die Hose

Dass der Typ nicht ganz dicht ist und in der Ausübung von Gewalt und Terror nichts Falsches sieht, ist natürlich auch den Gesetzeshütern aufgefallen. So machen diese sich bereit, diesem durchgeknallten Guru Handschellen anzulegen und die Bevölkerung von der Tyrannei zu befreien. Doch kaum hat man diesen Halleluja-Schreier dingfest gemacht, bricht auch schon das Chaos aus. Der Widerstand ist gross, Menschen sterben, Dinge explodieren und der geistige Führer entkommt unversehrt.

Die Gläubigen versammeln sich natürlich sehr gerne in ihren Kirchen.
Die Gläubigen versammeln sich natürlich sehr gerne in ihren Kirchen.

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Als überlebendes Mitglied der Spezialtruppe muss man sich nun selber zu helfen wissen. Als Männlein oder Weiblein, man darf sein Geschlecht, sowie das Aussehen selber wählen, gilt es nun in diesem riesigen Land den Widerstand zu formieren und Stück für Stück dem Fanatiker seine Macht zu nehmen. Ja, das kennt man irgendwie bereits aus den Vorgängern.

Eine schrecklich nette Familie

Das wird dieses Mal aber nicht einfach. Denn Jospeh hat Blutsverwandte hinter sich: John und Jacob (beide ebenfalls ziemlich durchgeknallt) herrschen über andere Gebiete in Hope County und sorgen für das Seelenheil als auch für die Durchschlagskraft. Während der eine dafür sorgt, dass die Schäfchen gläubig bleiben, macht der andere aus ihnen Kampfsoldaten. Und dann wäre da noch die Halbschwester Faith. Die hat einfach auch nur einen totalen Dachschaden und ist eine Art heilige Madonna. Die Ausgangslage ist klar. Hier wartet ein grosses Stück Arbeit auf den Spieler und die Spielerin.

Natürlich darf man auch einfach mal auf die Jagd gehen.
Natürlich darf man auch einfach mal auf die Jagd gehen.

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Big Brother is watching you

In den ersten Spielstunden geht es darum, sich mit dieser Welt Vertraut zu machen. Denn dieses abgeschnittene Tal funktioniert nach ihren eigenen Regeln. Hope County ist nicht nur einfach eine grössere Gemeinde, sondern funktioniert wie ein kleines, sehr gut überwachtes Land. Die aufgebaute Infrastruktur funktioniert trotz rauer Natur bestens. Die Sekte hat ihre Augen und Ohren überall. Die malerische Kulisse trügt, man kann sich nirgends absolut sicher fühlen. Und dennoch hat sich innerhalb dieser Hölle auf Erden so etwas wie ein kleiner Widerstand errichtet. Gut versteckt gelangt man zum ersten Verbündeten und wird aufgeklärt wie das hier alles so abläuft.

Manche Bauern in diesem abgelegenen Tal sind ganz schön aggressiv. Gut, dass wir einen treuen Gefährten an der Seite haben.
Manche Bauern in diesem abgelegenen Tal sind ganz schön aggressiv. Gut, dass wir einen treuen Gefährten an der Seite haben.

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Freunde sind willkommen

Danach beginnt das strukturierte oder auch weniger strukturierte Aufräumen. Denn ob man mit blosser Waffengewalt oder taktisch das grosse Land befreien möchte, liegt in den Händen des Spielers, der Spielerin. Alleine geht es aber nicht, oder nicht so geschmeidig. Darum darf man jetzt diverse Gefangene oder auch tierische Begleiter als Sidekick auswählen, die im heftigen Kampf ihre Unterstützung anbieten. Die Auswahl an Interaktionen im hektischen Tumult ist zwar sehr übersichtlich aber für eine Unterstützung sind diese Gefährten sehr gerne willkommen. Denn kommt es einmal zu heftigen Schiessereien, geht die Post ab. Wurde man entdeckt, wird sofort aus allen Rohren gefeuert und flankiert. Wer also wie Rambo drauflosrennt, wird nicht lange überleben. Naturtalente natürlich ausgenommen.

Wir haben ein technisches Problem

Ja, die KI reagiert dabei vorbildlich. Vorerst. Denn es gab in den ersten Spielstunden auch äusserst komische Situationen. Wenn man direkt neben einen gläubigen Soldaten steht und in aller Ruhe seine Waffe auf ihn richten kann und dieser keinen Mucks von sich gibt, scheint da die Programmierungsabteilung geschlafen zu haben. Für Technikfetischisten schon fast ein Dorn im Auge, sind jedoch die vielen aufploppenden Gegenstände in der reichlich besiedelten Welt. Das fällt vor allem auf, wenn man mit dem Hubschrauber über das Areal fliegt und unter sich die plötzlich auftauchenden Tannenbäume entdeckt und in der Ferne zusehen kann, wie sich die Häuser formieren.

Gruselige Weihnachtsstimmung

Das Highlight von «Far Cry 5» ist bis jetzt die Atmosphäre. Auch wenn die Landschaften wunderschön sind und man sich am liebsten in einer Blockhütte niederlassen möchte, in diesem Tal herrscht eine ganz gruselige Stimmung. Schon nur das Intro sorgt für eine Gänsehaut. Wenn man da durch die eingeschworene Gemeinschaft schreitet, um ihren Führer festzunehmen, bekommt man es mit der Angst zu tun. In den Gesichtern spiegelt sich Zorn, der sich mit blindem Gehorsam paart. Parallel singt im Hintergrund ein Kirchenchor und heilige Klänge wie zur Weihnachtszeit sind zu hören. Kerzen leuchten, alles wirkt friedlich und dennoch scheint der Mob gleich zu explodieren. Und dieses beklemmende Gefühl wird man nicht mehr los.

Die Story sorgt für den Sog

Zwischenfazit: Wo «Far Cry» draufsteht, ist auch «Far Cry» drin. Das gilt auch definitiv für Teil 5. Doch da ist bisschen mehr. Das Land, das es gilt zurückzuerobern, ist riesig. Da warten etliche Spielstunden. Abseits der Hauptstory gibt es wieder sehr, sehr viele Dinge zu tun. Nebenmissionen, das Auffinden von Gegenständen, kleine Dramen, Herausforderungen und viele versteckte Eastereggs warten darauf gefunden zu werden. Die Steuerung flutscht schon nach den ersten Spielminuten. Alles wirkt vertraut und ist dennoch neu. Nett: Um Gebiete zu entdecken, muss man sich mit Bewohnern unterhalten oder auch die Strassenschilder genauer betrachten.

Spieltechnisch wird zwar das Rad nicht neu erfunden, dafür kommen Storyliebhaber wohl voll auf ihre Kosten. Denn mit der kruden Rahmenhandlung und den vielen durchgeknallten Figuren entsteht ein Sog, dem man sich nur sehr schwer entziehen kann. Sofern die Geschichte ihre Intensität beibehalten kann und sich der Titel nicht zu sehr auf seine Formel verlässt. Wir wollen fest daran glauben.

«Far Cry 5» erscheint am 27. März 2018 für Playstation 4, Xbox One und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.

Simon Dick

Quelle: watson.ch 22.3.2018

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