Anstandsregeln gelten nicht nur neben der Strasse, sondern auch auf der Autobahn - wie hier vor dem Gotthard in Silenen (Bild: Keystone (8. Juni 2019)).
Anstandsregeln gelten nicht nur neben der Strasse, sondern auch auf der Autobahn - wie hier vor dem Gotthard in Silenen (Bild: Keystone (8. Juni 2019)).
Foto: CH Media
Glosse

«Weniger Stau dank anständiger Fahrweise»: Bund veröffentlicht Autobahn-Knigge

Früher lehrte uns der Knigge, wer wem das Duzis anbieten darf und wie man sich zu Tische richtig verhält. Heute veröffentlicht der Bund Benimmregeln für Autofahrer - und appelliert an sie, sich am Steuer weder zu rasieren noch zu schminken.

Es gibt wohl nur wenige Situationen, in denen mehr geflucht wird als beim Autofahren. Insbesondere, wenn man im Stau steckt - und deswegen einen Termin zu verpassen droht. Oder die Kinder im Auto quengeln, während man seit Stunden vor dem Gotthard steht und sich nach einem kühlen Drink am Strand sehnt, verflucht nochmal!

Die guten Manieren gehen gerade im Strassenverkehr ab und zu flöten. Dabei könnten die Autofahrer mit anständiger Fahrweise dazu beitragen, dass es weniger Stau gibt, mahnt das Bundesamt für Strassen am Mittwoch in einer Medienmitteilung. Die Behörde hat daher zusammen mit Partnerorganisationen einen «Autobahn-Knigge» erstellt. Die Broschüre gibt Tipps, wie sich Autofahrer verhalten sollten, und erklärt einige Verkehrsregeln.

Rasierapparat nicht benutzen

Wie also fährt der anständige Autofahrer gemäss «Autobahn-Knigge»? Er hält Abstand und drängelt nicht. Er blinkt rechtzeitig bei jedem Spurwechsel. Er fährt vorausschauend sowie «entspannt und ruhig». So weit, so langweilig.

Unterhaltsamer wird es beim Punkt «Sich nicht ablenken lassen». Das Smartphone, die Ablenkung par excellence, wird im Autobahn-Knigge nicht erwähnt - so modern ist er offensichtlich doch nicht. Stattdessen heisst es in schönstem Beamtendeutsch: «Die Hände gehören ans Lenkrad. Das verträgt sich nicht mit dem Bedienen von elektronischen Geräten, dem Benutzen von Rasierapparaten oder Make-Up-Utensilien.» Sich Rasieren und Schminken auf der Autobahn sollte man gemäss Knigge - welche Überraschung - also lieber nicht.

Bitte Tempolimite beachten

Überhaupt: Was als Tipps angekündigt wird, entpuppt sich als eine Vielzahl an Regeln, die den Autofahrern durchaus geläufig sein sollten. So heisst es zum Beispiel, man solle die Temposignalisation beachten. Erklärt wird auch, wie man sich bei Unfällen verhalten soll.

Die Regeln und Tipps seien nichts Neues, heisst es beim Bundesamt für Strassen. «Es geht vielmehr darum, dass Autofahrer ihr Wissen nochmals auffrischen», sagt ein Sprecher. «Manche Regeln, die sie in der Fahrschule gelernt haben, haben sie Jahre später vielleicht nicht mehr präsent.»

Auf den Autobahnen komme es immer wieder zu Manövern, die den Verkehrsfluss bremsten, sagt er. «Das kann einen Handorgeleffekt verursachen und zu stockendem Verkehr oder Stau führen.»

Autofahrer in der Pflicht

Letztes Jahr stauten sich die Fahrzeuge auf den Nationalstrassen während über 25'000 Stunden. Ein kleiner Teil des Staus, wird durch Unfälle verursacht. Meistens sind aber schlicht und einfach zu viele Fahrzeuge unterwegs: Verkehrsüberlastung ist gemäss dem Bund mit fast 90 Prozent die häufigste Ursache für Stau auf den Autobahnen.

Daher könnten neben gezielten Ausbauten und Verkehrsmanagement-Massnahmen «auch die Verkehrsteilnehmenden selber mit ihrem Verhalten einen Beitrag zu einem besser fliessenden Verkehr und für die Verkehrssicherheit auf den Autobahnen leisten», schreibt das Bundesamt für Strassen.

Mit anderen Worten: Würden alle anständig fahren, gäbe es weniger Stau. Das müsste eigentlich Anreiz genug sein für Autofahrer, die Regeln und Tipps des Autobahn-Knigge zu befolgen. Dann hätten alle weniger zu fluchen.

Maja Briner