Foto: Alex Spichale
Regierungsratswahlen

Yvonne Feri: Ihr Antrieb ist der Kampf gegen Ungerechtigkeiten

Yvonne Feri will für die SP in den Aargauer Regierungsrat. Es ist ihr zweiter Versuch.

Die Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg durch die Blätter der Platane. Der Brunnen plätschert. Der Park in Königsfelden ist einer von Yvonne Feris Lieblingsorten. Sie ist in Brugg aufgewachsen und erinnert sich, wie sie als Kind in den Park kam, um die Tiere zu beobachten.

Obwohl sie seit über 20 Jahren in Wettingen wohnt, kommt sie immer noch gerne hierher. Der Park gibt ihr Ruhe. Das sei etwas, das den Menschen – vor allem jenen, die in städtischen Gegenden leben – abhandengekommen sei.

Trotz Stress kurz innehalten. Die Augen schliessen, bevor der nächste Termin ansteht. Sie habe das auch lernen müssen, sagt Feri. Inzwischen nimmt sie sich solche kleinen Auszeiten aber sehr bewusst.

Grossrätin, Einwohnerrätin, Gemeinderätin, Nationalrätin

Wer Yvonne Feri ist, muss im Aargau nicht erklärt werden. 2011, als Pascale Bruderer in den Ständerat gewählt wurde, rückte sie für die SP in den Nationalrat nach. Sie war zehn Jahre Grossrätin, vier Jahre Einwohnerrätin und elf Jahre Gemeinderätin in Wettingen.

Rückblickend sieht es aus, als hätte die gelernte Kauffrau nie etwas anderes gesucht als die Politik. Dabei war es eher Zufall, dass sie als 27-Jährige in die SP Neuenhof eintrat. «Eine Kollegin hat gefragt, ob ich mit ihr einen Politikerinnenkurs besuchen würde», erzählt Feri. Kursleiterin war Politologin Regula Stämpfli und sie beziehungsweise der Kurs haben bei Feri das Interesse an der Politik geweckt.

Dieses Interesse ist bis heute ungebrochen. Als klar war, dass Bruderer nicht mehr für den Ständerat kandidieren wird, war Feri die Erste, die ihr Interesse als Nachfolgerin anmeldete. Die SP-Delegierten entschieden sich jedoch für Cédric Wermuth.

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Quelle: Fabian Hägler

Als dann im Juni Franziska Roth ihren Rücktritt als Regierungsrätin bekannt gab, schlug die SP Feri als Kandidatin vor. Warum will Feri vom Nationalrat in die Regierung wechseln? Sie sei sehr gerne Nationalrätin. Aber das Amt der Regierungsrätin sei hochinteressant.

Sie hat Lust darauf, auch wenn es eine grosse Herausforderung sein wird. Und sie möchte sich für die Menschen im Kanton einsetzen. «Ich sehe viele Ungerechtigkeiten und will etwas bewegen. Das ist mein Motor.»

Für das Departement Gesundheit und Soziales hat Yvonne Feri konkrete Ideen. Sie will die Spitex und Pflege stärken und auf Prävention und Eigenverantwortung setzen. Bei den Spitälern will sie genau hinschauen, wer was anbietet.

«Man muss sich zum Beispiel fragen, ob es Spitzenmedizin im Aargau wirklich an mehreren Standorten braucht.» Auch bei der Fachstelle für Alter und Familie will sie Akzente setzen. «Der demografische Wandel ist ein wichtiges Thema, wenn man die Zukunft plant», sagt Feri, die in Wettingen ein Altersleitbild erarbeitet und eine Fachstelle für Altersfragen eingerichtet hatte.

51 344 Aargauerinnen und Aargauer haben Feri bei den letzen Regierungsratswahlen die Stimme gegeben. SVP-Frau Franziska Roth holte als politische Quereinsteigerin damals fast 10 000 Stimmen mehr.

Nachfolge Franziska Roth: Das sind die Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten:

Die Ausgangslage sei dieses Mal eine andere, sagt Feri. Nach dem «Roth-Debakel» sei den Leuten bewusst, dass es nun eine Person brauche, die das Handwerk kenne und Fachwissen mitbringe. Sie habe als Gemeinderätin gelernt, was es in einer Exekutive brauche.

Sie wisse, dass man manchmal über den eigenen Schatten springen müsse. Als ehemalige Grossrätin kenne sie die politischen Abläufe aus dem Effeff. Zudem habe sie als einzige Kandidatin eine Verbindung zur Bundesebene und sei national bestens vernetzt.

«Gesundheitspolitik wird vor allem auch national und in Koordination mit den anderen Kantonen gemacht», sagt sie. «Und nach einer Wahl in den Regierungsrat würde ich mich natürlich schnell in die pendenten Dossiers einarbeiten – auch im sozialen Bereich.» Gesundheits- und Sozialpolitik seien, seit sie politisiere, ihre Themen.

Politik für die Schwächsten der Gesellschaft

Das bestätigt ein Blick auf die Vorstösse, die Feri im Nationalrat eingereicht hat. Sie setzt sich für die Schwächsten ein. Fordert zum Beispiel Stipendien für Kinder aus ärmeren Familien. Als alleinerziehende Mutter zweier inzwischen erwachsener Töchter ist ihr auch wichtig, die Rahmenbedingungen für berufstätige Eltern zu verbessern. Als Feministin kämpft sie für die Gleichstellung der Geschlechter.

Sie sei keine Männerhasserin, wie ihr oft vorgeworfen werde, sagt Feri. «Ich mag Männer und arbeite gerne mit Männern zusammen. Am liebsten sind mir gemischte Teams.» Eine Regierung ohne Frau findet sie nicht zeitgemäss. «Wir brauchen sichtbare Frauen in allen Positionen, wenn sich etwas verändern soll.»

Als Regierungsrätin müsste Feri auch 400 Mitarbeitende führen. Obwohl sie ihre Führungserfahrung gerne betont und ihre Firma «Feri mit Wirkung» Geschäftsführungen übernimmt, wurde ihr 2016 kurz vor dem zweiten Wahlgang ausgerechnet Führungsschwäche vorgeworfen.

Der damalige Präsident der Wettinger Finanzkommission (CVP) äusserte sich an einer Einwohnerratssitzung über einen vertraulichen Bericht zur Sozialabteilung, der Feri damals vorstand. Der Bericht habe aufgezeigt, dass die Führung versagt habe.

Feri räumt ein, dass damals «nicht alles optimal gelaufen ist». Als Sozialvorsteherin habe sie aber nur die fachliche und politische Führung innegehabt. «Diese wurde nie kritisiert», stellt sie klar. Die Personalführung liegt in Wettingen beim Gemeindeammann.

Zudem seien – nachdem ein FDPler das Sozialwesen übernommen habe – endlich die Stellenprozente erhöht worden. Am Schluss sei es für Wettingen gut herausgekommen. Das liege auch am Bericht, den sie lanciert habe und der Probleme aufgezeigt habe, auf die sie selber wiederholt hingewiesen habe.

Sie habe aus der Sache gelernt: «Heute würde ich noch hartnäckiger sein und einen solchen Bericht noch früher in Auftrag geben – auch wenn Widerstand kommt.»

Quelle: Schweiz am Wochenende