Die Kantonspolizei Aargau ist Einbrechern auf der Spur — und greift dabei zu bisher unbekannten Mitteln.
Foto: Severin Bigler/Screenshot Facebook/Montage_AZ
Einbrecher

Warum die Aargauer Kantonspolizei plötzlich Serbisch, Albanisch oder Rumänisch schreibt

Um potenzielle Einbrecher abzuschrecken, setzt die Kantonspolizei Aargau auf mehrsprachige Informationen. Im Visier hat sie vor allem osteuropäische Kriminaltouristen.

Wer letzten Samstag auf Facebook einer Meldung des offiziellen Kontos der Kantonspolizei Aargau begegnete, verstand möglicherweise nur Bahnhof. «Kantoni i Aargaut duhet të jetë një zonë, në të cilën nuk ia vlen të veprohet si hajdut», hiess es da zum Beispiel. In den Kommentaren fragten sich einige User, was das soll, oder ob die Kapo nun plötzlich Albanisch spricht.

In der Meldung ging es um die grossangelegte Aktion gegen Einbrecher von vergangenem Freitag. Es war das erste Mal, dass die Kantonspolizei auf Facebook nicht nur auf Deutsch informierte, sondern auch auf Albanisch, Serbisch, Bulgarisch und Rumänisch.

«Aargau ist ein hartes Pflaster für Einbrecher»

«Die Idee dahinter ist, eine unmissverständliche Botschaft auszusenden, dass der Aargau ein hartes Pflaster für Einbrecher ist», sagt Mediensprecher Bernhard Graser. Die Sprachen seien bewusst gewählt worden, «weil gefasste Einbrecher nach polizeilichen Erkenntnissen nicht selten aus entsprechenden Ländern stammen», erklärt Graser.

Auch bei den Kontrollen auf der Strasse achtet die Kapo besonders auf ausländische Fahrzeuge. Ein Grossteil der Einbrüche gehe nämlich auf das Konto von Tätern, «die seriell und grenzüberschreitend aktiv sind», so Graser. Nicht immer stimme das Kontrollschild am Auto mit der Nationalität der Insassen überein. «Wir stellen immer wieder fest, dass osteuropäische Kriminaltouristen in Autos unterwegs sind, die in Frankreich oder Deutschland eingelöst sind», sagt der Polizeisprecher.

Aber glaubt die Kantonspolizei wirklich, dass Einbrecher die Facebook-Beiträge der Polizei lesen? «Wir sind uns der beschränkten Reichweite unseres Facebook-Auftritts bewusst», räumt Graser ein. Dennoch sei die Kapo überzeugt, dass die Botschaften auf verschlungenen Wegen auch potenzielle Einbrecher erreichen. «Wenn nur schon einer deswegen davon absieht, im Aargau sein Unwesen zu treiben, haben wir schon etwas erreicht.»

Vorgehen der Kantonspolizei Aargau ist in der Schweiz einzigartig

Die AZ hat bei anderen Kantonspolizeien nachgefragt, ob sie ebenfalls mehrsprachig kommunizieren. Basel-Stadt winkt ab. Social-Media-Posts würden in der Regel auf Deutsch verfasst.

«Bisher ergab sich für uns keine Notwendigkeit, in einer anderen Sprache zu posten. Das heisst aber nicht, dass wir diese Möglichkeit kategorisch ausschliessen.» Auch die Basellandschaftliche Polizei kommuniziert auf Deutsch. «Sollte das Ereignis aber eine zusätzliche Kommunikation in einer anderen Sprache erfordern, würden wir auch in den anderen Landessprachen sowie in Englisch kommunizieren.»

Im Thurgau informiert die Polizei in den sozialen Medien ebenfalls über Einbruchaktionen. «Auf die Idee, dies mehrsprachig zu tun, sind wir bisher nicht gekommen.» Im Kanton St. Gallen hat die Polizei bislang noch keine Social-Media-Posts verfasst, die sich an potenzielle Einbrecher richten. Es sei auch nichts in diese Richtung geplant.

Die Idee der Aargauer kommt in St. Gallen aber gut an. «Wir finden sie sehr originell und hoffen für die Aargauer Kollegen, dass das möglichst viele Einbrecher lesen», sagt der Polizeisprecher. Augenzwinkernd führt er an, dass die Kapo St. Gallen Einbrechern aber dringend davon abrate, deswegen in den Kanton St. Gallen auszuweichen. «Auch bei uns finden Kontrollen statt.»

Unterwegs mit der Kantonspolizei Aargau - Aktion gegen Einbrecher:

Quelle: Aargauer Zeitung