Corona-Schutzkonzept

Plexiglas und rote Linie: So sieht der Neustart in den Aargauer Schulen aus

Am 11. Mai gehen die Schulen landesweit wieder auf. So auch im Aargau. Es gelten spezielle Auflagen, um die Kinder und die Lehrpersonen vor dem Coronavirus zu schützen. Wie diese aussehen erklärt Elisabeth Abbassi, Präsidentin des aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands

Am ersten Schultag nach den Ferien entern Primarschüler normalerweise ihr Klassenzimmer im Sturm. Beim heutigen Neustart des Präsenzunterrichts an den Aargauer Schulen wird dies völlig anders sein. Um das Ansteckungsrisiko nach der Rückkehr in die Schule gering zu halten, heisst es Abstand halten, wie Elisabeth Abbassi, Präsidentin des aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ALV) und Schulleiterin der Schule Möriken-Wildegg, zeigt.

Zuerst betritt die Lehrerin das Schulzimmer, wäscht sich die Hände und setzt sich ans Pult. Erst dann wird das erste Kind eintreten, das nächste folgt erst, wenn dieses die Hände gewaschen hat. Ein Ablauf, der von den Schülern Geduld erfordert und wohl ein paar Mal durchlaufen werden muss, bis er zur Routine wird, wie Abbassi sagt.

Die rote Linie trennt Lehrerin und Schüler

Die Schülerpulte in Möriken-Wildegg mussten um zwei Meter nach hinten gerückt werden. Eine rote Linie auf dem Boden zeigt den Schülern ab heute, wie nahe sie dem Lehrerpult kommen dürfen. Auf dieser Linie steht auch der Tisch mit der Plexiglas-Scheibe. «Wir können nicht mehr durch die Tischreihen gehen, um den Kindern bei Fragen zu helfen», erläutert Abbassi. «Also kommen sie einzeln nach vorne und setzen sich auf die andere Seite der Scheibe.»

Für die Schüler gibt es vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) nicht viele Regeln. Kinder gelten gemäss derzeitigen Erkenntnissen als wenig gefährdet und ansteckend. Sie müssen regelmässig die Hände waschen, sollten kein Essen austauschen. Beim Turnunterricht setzt man weniger auf Mannschaftssport und mehr auf Leichtathletik, wo es weniger Berührung gibt. Zeigt jemand Corona-Symptome, so wird das Kind oder die Lehrperson nach Hause geschickt, wenn Fieber festgestellt wird.

Die Regeln schützen primär Lehrpersonen und Eltern der Schüler. «Es gibt Eltern, die zur Risikogruppe zählen und deren Kinder das Virus auf keinen Fall nach Hause bringen dürfen», sagt Abbassi, die selber 65 ist. Alle Lehrer ihres Teams unterrichten ab heute wieder in der Schule. «Es gibt aber auch Schulen im Aargau, an denen bis zur Hälfte der Lehrpersonen wegen Corona weiter zu Hause arbeiten müssen», sagt sie.

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Quelle: AZ/Flurina Dünki

Schulstart bedeutet für Lehrer Alarmbereitschaft

Die Corona-Regeln auszuarbeiten sei schwierig gewesen, sagt Abbassi. «Es ist nicht einsichtig, warum den Schulen vom Kanton nicht mindestens ein Raster mit den wichtigsten Eckwerten eines Schutzkonzeptes zur Verfügung gestellt wurde. Dies gilt besonders für die Umsetzung der Distanzregel im Kindergarten. Aber auch in speziellen Fächern, zum Beispiel Hauswirtschaft und Werken, gab es bis letzten Donnerstag keine Angaben. Dies verunsicherte die Lehrpersonen zusätzlich.»

Der Schulstart bedeutet für Abbassi und die Lehrer auch Alarmbereitschaft: «Wenn die Prognose richtig ist, dass Kinder das Virus praktisch nicht übertragen, haben wir Glück gehabt. Wenn nicht, werden wir sehr schnell reagieren müssen.»

Quelle: Aargauer Zeitung