Foto: GIOIA_LOREDANA;Loredana Gioia;

Portrait Ständeratswahlen

Maya Bally: Gemässigte Stimme statt Polparteien

Maya Bally (BDP) will den Aargau im Stöckli als Vertreterin der gemässigten Mitte vertreten. Sie ist überzeugt, als Grossrätin den Kanton gut zu kennen und bestens vernetzt zu sein.

Grossrätin Maya Bally (58) wohnt mit Mann und Sohn in Hendschiken. Sie führte in verschiedenen Funktionen 60 bis 180 Mitarbeitende und Grossprojekte. Sie trat beruflich seit 2006 etwas kürzer, um mehr Zeit für Familie und Politik zu haben. Jetzt will sie für die BDP in den Ständerat.

Aber würde die BDP ihre Kräfte nicht besser konzentrieren, um den wackelnden Nationalratssitz zu verteidigen, statt sich auf zwei Wahlen zu verzetteln? Bally widerspricht: «Ständeratswahlen sind Persönlichkeitswahlen, helfen aber mit bei der Verteidigung des Nationalratssitzes.» Als konsens- und lösungsorientierte Mittepolitikerin könnte sie in Bern viel bewirken, ist sie überzeugt.

Das Gerede über ein nahendes BDP-Totenglöckli könne sie nicht mehr hören, schüttelt Bally den Kopf: «Das läutet ihr Journalisten seit elf Jahren, wir sind aber sehr lebendig. Zudem müssen wir für den Ständerat antreten, da alle anderen Parteien auch am Start sind.» Es beelendet sie aber, wenn sie im Strassenwahlkampf öfters hört, man finde die BDP genau richtig, wähle aber eine andere Partei, weil die BDP so klein sei. Bally sagt dann jeweils: «Wir können nur mehr bewirken und wachsen, wenn Sie uns wählen!»

Bei den Regierungsratswahlen 2016 hat Bally mit knapp 40 000 Stimmen gemessen an der Grösse der Partei weit überproportional viele Stimmen geholt. Das zeige, dass ihr viele Menschen aufgrund ihres Leistungsausweises viel zutrauen, argumentiert sie.
Angesichts der vielen Männer, die kandidieren, rechnet sie sich eine gewisse Chance aus, «weil ein Mann und eine Frau gewählt werden sollten». Dass keine Frau gewählt werden könnte, mag sie sich gar nicht ausmalen.

Im Ständerat stehe das Parteibuch nicht zuvorderst, man arbeite dort parteiübergreifender. Der Kanton sollte in der kleinen Kammer durch gemässigte Stimmen und nicht mit Extremansichten aus den Polparteien vertreten sein, ist Bally überzeugt: «Als Vertreterin der Mitte könnte ich das sehr gut. Als Grossrätin kenne ich die Anliegen des Kantons Aargau und bin gut vernetzt.»

Sie würde also im Ständerat für die recht häufigen Aargauer Standesinitiativen kämpfen? Die meisten konnte sie inhaltlich unterstützen, sie findet aber, der Grosse Rat setze sie inflationär ein: «Wir haben 16 National- und 2 Ständeräte. Für wichtige Anliegen ist der Weg über sie bzw. die entsprechenden Fraktionen schneller und erfolgversprechender, vor allem wenn ein Thema in Bern bereits auf der Agenda ist.»

Foto: Vimentis

Die grössten Herausforderungen seien die Altersvorsorge, Gleichstellungsfragen und das Klima. Bally: «Wir haben als erste bürgerliche Partei gezeigt, dass es Lösungen gibt, die dem Klima helfen und für die Wirtschaft auch Chance sind.»

Ein grosses Anliegen ist ihr der bilaterale Weg: «Wir müssen in Europa wirtschaftlich integriert bleiben. Isolation und Abschottung wären falsch. Deshalb bin ich aber keine schlechte Schweizerin! Ich liebe mein Land. Zwar können wir nicht mit allen Nachbarn dick befreundet sein. Es ist aber unabdingbar, mit ihnen auszukommen.» 

Mathias Küng

Quelle: Aargauer Zeitung 9.9.2019

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