Foto: Sandra Ardizzone

Portrait Ständeratswahlen

Hansjörg Knecht: Einer aus den Anfangszeiten der SVP

Ständeratskandidat Hansjörg Knecht (59, Leibstadt) verkörpert heute noch die Werte der ehemaligen Bauern- und Gewerbepartei.

Als die AZ vor dem Bundeshaus auf Hansjörg Knecht wartet, öffnet sich die Türe und Philipp Müller kommt heraus. Dort, wo der FDP-Vertreter noch bis Ende Jahr sitzt, will der SVP-Bewerber ab Anfang 2020 hin: In den Ständerat. Vor vier Jahren verpasste Knecht die Wahl, im zweiten Wahlgang machte Müller das Rennen.

Drei Fragen an Hansjörg Knecht:

«Ich bin es gewohnt, anzupacken»: drei Fragen an den SVP-Ständeratskandidaten Hansjörg Knecht

Quelle: Fabian Hägler

Für dieses Jahr ist Knecht optimistisch: «Das letzte Mal habe ich schon sehr gut abgeschnitten und parteiübergreifend Stimmen geholt. Ich bin überzeugt, dass es diesmal reicht.» Wenn im ersten Wahlgang niemand gewählt wird, kommt im zweiten Wahlgang die Parteistärke zum Tragen. Und da weiss der 59-jährige Müllerei-Unternehmer aus Leibstadt mit der SVP-Wählerschaft im Aargau eine starke Hausmacht hinter sich.

«Die SVP ist die Partei, die für die Interessen des Gewerbes, der Bauern und die Werte der Schweiz am besten einsteht», sagt der Nationalrat. Er selber politisiert seit 30 Jahren für die Volkspartei, schon sein Vater war SVP-Mitglied, so war Knechts Weg in die Politik vorgezeichnet. Der Familienvater ist einer der Politiker, der die Vorläuferin der SVP, die Bauern- und Gewerbepartei, heute noch verkörpert. 

«Sackstark» als Slogan: Knecht packt selber an

Knecht ist ein Unternehmer, der selber anpackt und versucht, optimale Bedingungen für die Wirtschaft zu schaffen. «Sackstark als Politiker und Mensch», steht auf seinem Wahlplakat, das den Zurzibieter mit einem Mehlsack auf der Schulter zeigt. In den letzten Wochen, als andere in die Sommerferien verreisten, gab es für ihn kaum Freizeit. «Im Sommer liefern die Bauern das Getreide an, das bei uns gemahlen wird, da gibt es Sieben-Tage-Wochen mit langen Arbeitstagen», erzählt er.

Der Mehlsack in seiner Wahlkampagne wiege 25 Kilogramm, einen solchen Sack könne er auch heute noch tragen, das Sujet sei realistisch. «Früher schleppten wir 100-Kilo-Säcke, doch diese Zeiten sind vorbei», sagt Knecht. Vor vier Jahren war der SVP-Vertreter als Bundesratskandidat im Gespräch und präsentierte sich als Knecht des Stimmvolks, diesmal als harter Arbeiter und Unternehmer. Für ihn sprächen «sackstarke Argumente» wie Erfahrung, Unabhängigkeit und Kompetenz in Aargauer Kernthemen, sagt er.

Knecht wirkt seriös, seine Kampagne anständig – ganz im Gegensatz zum umstritten SVP-Plakat mit den Würmern in Farben von anderen Parteien, die einen Apfel zerfressen. «Ich bin überrascht, was alles in dieses Plakat hinein interpretiert wird», sagt Knecht dazu. Er kannte das Sujet vor der Publikation nicht, findet es aber normal, «dass im Wahlkampf alle Parteien versuchen, auf sich aufmerksam zu machen». Das sei der SVP mit dem Plakat sicher gelungen, sagt Knecht, und ergänzt: «Inhaltlich stehe ich zur Aussage des Plakats: Wer das Rahmenabkommen jetzt unterschreibt, gefährdet die direkte Demokratie und nimmt damit in Kauf, dass die EU die Werte der Schweiz aushöhlt.»

Dass die FDP sich überlegt habe, die Listenverbindung mit der SVP für die Nationalratswahlen im Aargau aufzukündigen, kommentiert Knecht so: «Ich habe Verständnis, dass das Plakat die Menschen irritiert.» Er distanziert sich nicht vom Plakat seiner Partei, sagt aber: «Es ist nicht meine Art, andere Politiker oder Parteien schlechtzumachen, am Ende braucht es Kompromisse.»

Immer wieder war zu hören, dass im Ständeratswahlkampf ein gemeinsamer Auftritt von SVP-Kandidat Hansjörg Knecht und FDP-Kandidat Thierry Burkart geplant sei. Kommt dies wegen des Streits um das Apfel-Würmer-Plakat nicht zustande? «Im Ständeratswahlkampf marschiert zuerst jeder alleine, darauf habe ich mich schon länger eingerichtet, mit dem Plakat hat das nichts zu tun», sagt Knecht.

«Das Parlamentarier- Rating ist oberflächlich»

Der 59-jährige ist kein Lautsprecher, der seine politischen Aktivitäten in den sozialen Medien im Minutentakt bekannt macht. Auf Facebook postet Knecht gelegentlich Medienbeiträge über sich, auf Twitter stammt sein letzter Post vom 4. Mai, als er sein Wahlvideo aufschaltete. «Ich bin kein Berufspolitiker und habe kein ausgebautes Team hinter mir, also muss ich Social Media neben allen Terminen selber machen – und dafür fehlt mir manchmal die Zeit», räumt er ein.

Im neuen Parlamentarier-Rating der «SonntagsZeitung» liegt Knecht auf Rang 170, weit hinter Ständerats-Konkurrenten wie Cédric Wermuth (SP, Rang 27), Beat Flach (GLP, 43) und Thierry Burkart (FDP, 69). Mit dem Rating werden über eine vierjährige Legislatur die parlamentarischen Einflussfaktoren wie Kommissionssitze, Voten, erfolgreiche Vorstösse, Ämter in Rat und Partei, Medienpräsenz sowie das Beziehungsnetz gemessen. «Solche Ratings sind eher oberflächlich und die Kriterien fragwürdig», entgegnet Knecht. «Politische Arbeit und Erfolg sind damit nur schwer messbar.»

Foto: Viementis

«Ich leiste meinen Beitrag gegen den Klimawandel»

Der überzeugte Anhänger von Atomkraftwerken verweist darauf, dass er bei der SVP das Energiedossier unter sich habe und sich beispielsweise erfolgreich für Bundesbeiträge an das Paul-Scherrer-Institut und den Park Innovaare im Aargau eingesetzt habe. «Vielleicht werden meine Erfolge manchmal etwas zu wenig wahrgenommen», sagt Knecht.

Er wehrt sich auch gegen den Vorwurf, die SVP habe den Klimawandel als Wahlkampfthema verschlafen und biete keine Lösungen. «Ich habe das gleiche Ziel wie die Teilnehmer der Klimastreiks: Runter mit dem CO2. Aber ich möchte dies mit Rücksicht auf die finanzielle Belastung der Bürger und der KMU erreichen.» Er selber mache seit 15 Jahren bei der Energieagentur der Wirtschaft mit und erfülle die CO2-Ziele, habe ein Minergie-Haus mit Solarzellen – «ich leiste meinen Beitrag».

Fabian Hägler

Quelle: Aargauer Zeitung 2.9.2019

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