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Quelle: TeleM1

Coronapandemie

Der Impfstoff ist knapp: Viele Aargauer konnten keinen Impftermin ergattern

Die verfügbaren Impftermine an den beiden Kantonsspitälern in Aarau (KSA) und Baden (KSB) waren schnell weg. Mehr als 50'000 Besuche auf der KSA-Website wurden am Montagmorgen registriert. Das Buchungssystem kam an seine Grenzen. Und viele Patienten müssen sich weiter gedulden.

Ab 8 Uhr konnten Aargauerinnen und Aargauer einen Impftermin buchen. Am Montagmorgen ab 8 Uhr konnten Aargauerinnen und Aargauer einen Impftermin buchen. Oder besser: Sie konnten es versuchen.

Kurz vor 11 Uhr schrieb ein AZ-Leser in einem E-Mail an die Redaktion, er versuche seit 8 Uhr am Kantonsspital Baden (KSB) einen Impftermin zu erhalten. Seine Frau und er seien beide Hochrisiko-Patienten und er selbst sei zudem über 75 Jahre alt. Anfänglich seien freie Terminvorschläge gekommen, schreibt er. Aber: «Buchte man sie, kam die Meldung, dass der Termin nicht mehr frei sei.»

«Die ganze Anmeldung ist ein Skandal»

Am Kantonsspital Aarau (KSA) haben impfwillige Personen ähnliche Erfahrungen gemacht. Ein anderer AZ-Leser wandte sich deshalb per Mail an KSA-Chef-Infektiologe Christoph Fux und Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati. Seine Frau sei herzkrank und der Kardiologe habe ihr geraten, sich so schnell wie möglich impfen zu lassen. Der Mann schreibt: «Um genau 8 Uhr sassen wir also am PC und kamen im Programm bis zu den Daten. Nach 38 Minuten kam die Meldung: keine Termine mehr.»

Er finde die ganze Anmeldung einen «Skandal» und kritisiert, es sei nicht einmal nach einer Vorerkrankung gefragt worden. «Meine Frau ist noch nicht 75. War sie daher für die Impfung noch zu jung?», fragt er.

Wer jünger ist als 75, muss sich über den Hausarzt anmelden

Aktuell kann über die Websites der Kantonsspitäler nur für Personen ein Termin gebucht werden, die über 75 Jahre alt sind. «Wer dieses Kriterium nicht erfüllt, wird nicht geimpft respektive weggewiesen – auch das ist explizit so formuliert», sagt KSB-Sprecher Omar Gisler. Am KSA gibt es eine Fehlermeldung, wenn jüngere Personen versuchen, sich anzumelden.

Dass vorerst nur über 75-Jährige geimpft werden können, liegt an der Verfügbarkeit des Covid-Impfstoffes. «Für den ganzen Kanton stehen aktuell nur 2500 Dosen pro Woche zur Verfügung, zusätzlich zu den Impfstoffen, welche für die Alters- und Pflegeheime gebraucht werden», antwortet Chefarzt Fux dem AZ-Leser. «Das Alter ist das grösste Risiko für Komplikationen», schreibt Fux weiter. Jüngere Patienten könnten sich im Moment deshalb leider nicht online anmelden.

Fux rät dem Mann, sich bei seinem Hausarzt zu melden und mit ihm zu besprechen, was die schnellste Möglichkeit sei, geimpft zu werden. Hausärztinnen, die für Patienten mit Risikoerkrankungen einen Termin buchen möchten, müssen dies laut KSB-Sprecher Gisler nicht über das Online-System tun.

Voraussichtlich nächste Woche sind neue Termine verfügbar

Das KSA hat gestern Montag rund 1600 Termine vergeben. Am KSB können knapp 1300 Impftermine pro Woche gebucht werden. Wann wieder neue Termine verfügbar seien, bestimme der Kanton, sagt Sprecher Gisler. Er geht davon aus, dass dies voraussichtlich nächste Woche der Fall sein wird.

Impfen lassen kann man sich in einer ersten Phase nur in den Impfzentren der beiden Kantonsspitäler in Aarau und Baden. Überdies sind ab heute mobile Teams unterwegs, die den Impfstoff in Pflegeheime bringen. Sobald mehr Impfstoff verfügbar ist, sollen weitere Impfzentren folgen und in einem weiteren Schritt sollen auch Hausärztinnen oder Apotheker gegen Covid-19 impfen können.

Mehr als neun Termin-Anfragen pro Sekunde

Wer einen Termin im Impfzentrum buchen will (aktuell ist alles ausgebucht), muss das über die Websites des KSA oder KSB tun. Die Buchungssysteme der beiden Kantonsspitäler unterscheiden sich. Das ist nicht etwa gewollt, sondern der Tatsache geschuldet, dass der Bund die versprochene Software nicht rechtzeitig auf den Impfstart geliefert hat. «Da der Bund voraussichtlich erst Mitte Januar ein Buchungssystem anbietet, mussten wir kurzfristig auf eine externe, schnell realisierbare Übergangslösung zurückgreifen», teilt die Kommunikationsstelle des KSA mit.

Das Spital setzt auf das Buchungssystem des deutschen Anbieters Terminland, das am KSA bereits für Covid-Testanmeldungen eingesetzt wird. Das KSB vertraut auf die Plattform von Doctena. Diese komme im Ärztezentrum Limmatfeld sowie in gewissen Kliniken zur Buchung von Sprechstunden-Terminen zum Einsatz ebenso im Covid-Testzentrum. Sie habe sich bewährt.

Während Omar Gisler vom KSB festhält, das Buchungssystem sei den Anforderungen gestern Montag gewachsen gewesen, räumt das KSA ein, dass das System «zwischendurch an seine Grenzen gestossen» sei. «Wir verzeichneten vor 10 Uhr über 50000 Besuche auf der KSA-Website und mehr als neun Termin-Anfragen pro Sekunde», sagt ein Sprecher. Dies habe zur Folge gehabt, dass man teilweise mehrmals habe versuchen müssen, einen Termin zu bekommen.