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Portrait Ständeratswahlen

Beat Flach: Aargauer Sonderlasten sollen endlich abgegolten werden

Beat Flach will für die aufstrebende GLP in die kleine Kammer. Dort will er sich einerseits für den Aargau einsetzen, andererseits aber auch klassische Theme der Grünliberalen vorbringen.

Beat Flach (54) vertritt die Grünliberalen seit zwei Legislaturen im Nationalrat. Dort und in den nationalen Medien hat sich der Jurist aus Auenstein, der sich als Vertreter einer progressiven Mitte definiert, sehr profiliert. Er ist einer der führenden Köpfe seiner aufstrebenden Partei.

Jetzt kandidiert er sowohl für den National- als auch für den Ständerat. Warum Ständerat? Er habe in Bern in den Kommissionen und im Rat (wo er am Rednerpult frei spricht) bewiesen, dass er sich in die Materien vertieft einarbeite, eigene Vorschläge bringe, mit allen reden und zwischen den Polen vermitteln könne.

Stolz ist er, dass er mit Hans Stöckli (SP/BE) ein Nein-Komitee zur SVP-Durchsetzungsinitiative auf die Beine gestellt hat, dem nachher attestiert wurde, die Initialzündung für das Volks-Nein gegeben zu haben. In den Ständerat will Flach aber auch, weil er beobachtet, dass dort die Meinungsbildung unaufgeregter und schneller gehe.

Glaubt er an eine Chance oder kandidiert er, damit die Partei im Wahlkampf mehr beachtet wird? Flach reagiert erstmals leicht ungehalten: «Ich kandidiere, weil das eine sehr spannende Aufgabe ist, die mich interessiert, weil mein Leistungsausweis zeigt, dass ich das kann, und weil ich den Kanton Aargau in der kleinen Kammer vertreten will.» Er bittet denn auch um die «Zweitstimme» auf dem Wahlzettel für den Ständerat.

Aargauer Sonderlasten sollen abgegolten werden

Wofür würde er sich im Ständerat einsetzen? Flach sieht zum Beispiel beim Finanzausgleich Reformbedarf, aber anders als in reichen Kantonen wie Zürich oder Schwyz: «Der Aargau beherbergt für alle wichtige (Strassen-)Infrastruktur, die ihm gewiss auch nützt. Er hat mehrere AKWs. Und ihm droht das atomare Endlager, das natürlich am sichersten Ort zu bauen ist. Solche Sonderlasten, die der Aargau freundeidgenössisch trägt, werden nicht abgegolten. Das will ich ändern.»

Hauptsächlich will der Grünliberale Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen. Sagen das nicht alle Mitteparteien? «Schon, aber wir tun es», entfährt es Flach. Man müsse auf das Abstimmungsverhalten achten. Wie für SP und Grüne ist auch für ihn klar, dass die FDP das gescheiterte CO2-Gesetz mit ihren Anträgen nicht retten, «sondern total verwässern wollte».

Im Ständerat würde er gern in der Energie- und Umweltkommission arbeiten, etwa um bessere Anreize für Gebäudesanierungen zu schaffen. Das eigene Haus haben er und seine Frau aufwendig energetisch saniert. Vorher verbrauchte es 13 000 kWh Energie jährlich, heute sind es noch 7600, und das, obwohl es vergrössert wurde.

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Es produziert heute gar mehr Energie, als es verbraucht. Das rechnet sich auch finanziell, sagt er. Zudem sei der Wohnkomfort viel besser. In Neubauten würde Flach Ölheizungen verbieten. Mit dem Schlachtruf «Klimanotstand» kann er aber nicht viel anfangen: «Angesichts des Klimawandels den Kopf in den Sand zu stecken, ist genauso falsch, wie ihn mit der Abschaffung des Kapitalismus zu bekämpfen.»

Mathias Küng

Quelle: Aargauer Zeitung 9.9.2019

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