Foto: Fabio Vonarburg

Bahnverkehr

«Lächerlich ... sind unterbeschäftigt» – harsche Reaktionen auf rauchfreie Bahnhöfe im Aargau

Die ersten Bahnhöfe sind bereits auf das neue Raucher-Regime umgestellt – in den nächsten Tagen folgen mit Aarau, Frick und Rheinfelden weitere.

Rauchen an den Bahnhöfen ist künftig nur noch in speziellen Zonen auf den Perrons und bei den Zugängen erlaubt; bis Mitte 2020 sollen alle rund 2000 Bahnhöfe in der Schweiz damit fast rauchfrei sein. Die neue Regelung gilt für alle Bahnen, nicht nur für die SBB. Die Umsetzung kostet insgesamt rund neun Millionen Franken.

Die Umrüstung läuft seit Anfang Juni. 303 Bahnhöfe sind laut Roger Baumann vom Verband öffentlicher Verkehr (VöV) bereits rauchreduziert, darunter auch die ersten Bahnhöfe im Aargau, vor allem im Freiamt. So weist etwa in Wohlen eine Bodenmarkierung beim Abgang zu den Perrons auf das Rauchverbot hin und auf dem Perron zeigt eine Tafel den Nichtraucherbereich an.

Am Montag folgte Kaiseraugst und bis Ende Woche sollen zehn weitere Bahnhöfe im Aargau auf das neue Regime umgestellt sein, darunter Rheinfelden, Frick, Möhlin, Schinznach-Bad und Aarau.

Der Bahnhof in Aarau, wo die Markierungen am Mittwoch angebracht werden, wird damit der erste grosse Aargauer Bahnhof sein, auf dem das Fast-Nichtraucher-Regime gilt. Baden, Lenzburg und Brugg folgen im September.

Die ersten Reaktionen auf die rauchfreien Bahnhöfe seien wie erwartet, sagt Roger Baumann. Der VöV hat das neue Rauchregime an den Schweizer Bahnhöfen im letzten Jahr beschlossen. «Nichtrauchende begrüssen die neue Situation, Rauchende nicht immer und halten sich teilweise nicht an diese Regelung», fasst Baumann die Reaktionen zusammen. Man sei jedoch «mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden».

Baumann weiss: «Eine solche Verhaltensänderung benötigt Zeit, wir rechnen mit ein bis zwei Jahren, bis die Regelung verinnerlicht wird.» Dies zeigte auch die Umstellung auf rauchfreie Züge vor rund 12 Jahren. Am Anfang war sie heftigst umstritten; heute ist sie kein Thema mehr.

Kontroverse Diskussionen in den sozialen Medien

Dass die Neuerung auch jetzt kontrovers diskutiert wird, zeigen die Diskussionen in den sozialen Medien. In Kaiseraugst beispielsweise, wo das neue Rauchregime am Montag in Kraft trat, schwanken die Reaktionen zwischen Zustimmung, Unverständnis und Hohn. «Die händ immer meh eins am Öpfel», schreibt eine Userin auf «Kaiseraugst lebt». Eine andere findet: «Lächerlich ... sind unterbeschäftigt.» Wieder andere finden «das guet».

Eingeführt hat der Verband das Fast-Rauchverbot an den Bahnhöfen auch, weil sich 75 Prozent in Umfragen für strengere Regelungen ausgesprochen hatten. Daraufhin wurden verschiedene Systeme getestet – unter anderem auch ein komplettes Rauchverbot, etwa am Bahnhof Basel. Dies bewährte sich nicht und man setzt nun auf die Lösung mit einem bis zwei Raucherbereichen pro Perron, je nach Perronlänge. In Aarau, Frick und Rheinfelden beispielsweise werden es je zwei Raucherbereiche pro Perron sein.

Für die Kontrolle der Rauchverbote sind die einzelnen Bahnunternehmen zuständig. «Reisende, die sich nicht an die Rauchfrei-Regelung halten, werden höflich angesprochen und auf die signalisierten Raucherbereiche auf den Perrons und bei den Zugängen hingewiesen», sagt SBB-Mediensprecher Oli Dischoe auf Anfrage. Personen, die sich nicht daran halten wollen, «können im Wiederholungsfall weggewiesen werden», so Dischoe.

Thomas Wehrli

Quelle: Aargauer Zeitung 23.7.2019

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