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Quelle: Leser-Reporter/20 Minuten

SBB

Ein Zug fährt mit offener Türe von Brugg nach Baden – das sagen die SBB zum Vorfall

Ein Interregio der SBB war kilometerweit mit offener Tür unterwegs. Eine Störung stellten die SBB bislang nicht fest. Genau mit diesem Zugtyp ereignete sich im August am Bahnhof Baden ein tödlicher Unfall.

Seit Wochen hagelt es Kritik gegen die SBB. Am Freitagmorgen ereignete sich ein weiterer Vorfall: Gegenüber «20 Minuten» sagte Leser D. B., er sei in Brugg in den Interregio eingestiegen. Laut seinen Ausführungen stand nur noch eine Türe offen, die anderen Türen seien bereits geschlossen gewesen.

Die betroffene Tür blieb auch nach der Abfahrt in Brugg noch offen — und das bei vollem Tempo. Erst kurz vor Baden habe die Zugbegleiterin die Tür geschlossen.

Zug fährt weiter, als wäre nichts gewesen

SBB-Sprecher Raffael Hirt erklärt auf Anfrage der AZ, dass der betroffene Zug weiterhin fahre. Die Tür sei aber mittlerweile verschlossen und mit einem Aufkleber versehen. Eine technische Störung konnte nach einer ersten Kontrolle nicht festgestellt werden. Der Wagen werde so rasch wie möglich in der Serviceanlage auf Störungen wie menschliche Einwirkungen oder Wackelkontakte untersucht.

«Bei diesem Wagentyp löst das Zugpersonal vor der Abfahrt einen Schliessbefehl aus», sagt Hirt. «Alle Türen schliessen gleichzeitig.» Die SBB gehen deshalb davon aus, dass die Tür nach der Ausführung dieses Schliessbefehls und kurz vor Abfahrt mithilfe der Notentriegelung wieder geöffnet wurde. «Es handelt sich dabei aber um reine Spekulationen», sagt Hirt.

Hirt macht zudem darauf aufmerksam, dass sich die Reisenden einer erheblichen Gefahr aussetzen, wenn nach der örtlichen Türkontrolle die Aufhebung der Türblockierung vorsätzlich betätigt wird. Dies ist mehrsprachig beim entsprechenden Hebel angeschrieben. Nur im Notfall dürfe die Türblockierung aufgehoben werden. «Ein Notfall lag unseres Wissens jedoch nicht vor», so Hirt.

Wird die Notentriegelung betätigt, erhält der Lokführer in der Regel ein Signal, das ihm die offene Türe signalisiert. Er kann daraufhin den Zug anhalten. Wie «20 Minuten» schreibt, handelt es sich bei diesem System um eine sogenannte Grünschlaufe. Ob die Grünschlaufe versagt hat, sei aber wiederum Teil der vertieften Abklärungen.

Wagentyp verursachte im August einen tödlichen Unfall

Bei dem betroffenen Wagen handelt es sich um einen des Typs Einheitswagen IV. Derselbe Typ verursachte Anfang August in Baden einen tödlichen Unfall. Der Zugbegleiter Bruno R. verstarb, weil er eingeklemmt und über mehrere hundert Meter mitgeschleift worden war.

Nach dem tragischen Unfall versprachen die SBB Besserung. Alle knapp 500 Wagen dieses Typs wurden sorgfältig kontrolliert. «Die Züge entsprechen nach wie vor unseren Sicherheitsvorstellungen», sagt SBB-Sprecher Hirt nun. Um die Sicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten, werde das Sicherheitsniveau der EW-IV-Türen auf das Level modernerer Züge erhöht. Dazu seien in den kommenden Jahren umfangreiche Arbeiten notwendig.

Sarah Kunz
Quelle: Aargauer Zeitung