Wo kann sich eine Frau im Aargau sterilisieren lassen? | Radio Argovia
Bevor sich Frauen sterilisieren lassen können, werden sie umfassend von einem Frauenarzt oder einer Frauenärztin über die Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt. (Symbolbild)
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Verhütung

Wo kann sich eine Frau im Aargau sterilisieren lassen?

Die Sterilisation ist ein besonders wirksamer chirurgischer Eingriff für Frauen, die entweder keine Kinder wollen oder um mit der hormonellen Verhütung Schluss zu machen. Auf den Websites der Spitäler sind Informationen dazu teilweise recht schwer zu finden. Wo du dich im Aargau sterilisieren lassen kannst, zeigen wir dir hier.

Die Sterilisation für Frauen ist eine Verhütungsmethode, die laut dem Bundesamt für Statistik rund fünf Prozent der Schweizer Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Jene, die keine Kinder wollen oder die Familienplanung endgültig abgeschlossen haben, wählen diese endgültige Verhütungsmethode. Das betrifft Frauen aller Altersklassen.

Die Sterilisation ist ein besonders wirksamer und auch risikoarmer Eingriff, bei dem die Eileiter unter Narkose entweder unterbunden oder mit Ringen versehen werden. Dieser erfolgt meist ambulant und die Patientinnen können am selben Tag wieder nach Hause. In der Schweiz kann sich theoretisch jede Person sterilisieren lassen, sobald er oder sie volljährig ist.

Hier können sich Frauen unterbinden lassen

Im Frauenarztzentrum Aargau können sich Frauen melden, die sich sterilisieren lassen möchten. Das Zentrum hat zwei Praxen in Aarau und Baden. «Zuerst wird ein Termin für eine Besprechung ausgemacht, dann wird eine Anamnese erhoben, welche Vorerkrankungen und Voroperationen hat es schon gegeben, und ob die Frau bereits Kinder hat oder eben nicht», erklärt Nik Hauser, Leiter des Frauenarztzentrums Aargau AG, auf Anfrage von ArgoviaToday.

Auch im Kantonsspital Aarau können sich Frauen unterbinden lassen. «In der Regel wird die Patientin entweder von der Frauenärztin oder dem Frauenarzt zugewiesen oder sie melden sich direkt bei uns für eine Sterilisation», sagt Susanne Fasler, leitende Ärztin Frauenklinik und Leiterin Ambulatorium Frauenklinik. «Es werden der genaue Ablauf, die Operationsrisiken, die Erfolgschancen und eventuell andere Verhütungsoptionen besprochen. Zudem erhalten sie ein Merkblatt mit Hinweisen zu einer möglichen Kostenübernahme.»

Auf Anfrage bestätigt auch die Hirslanden Klinik Aarau, dass Sterilisationen nach sorgfältiger Aufklärung, entsprechenden Abklärungen und gründlichen Überlegungen bei mündigen Frauen auf Wunsch durchgeführt werden. Auch das Kantonsspital Baden bietet – laut der Website – eine Unterbindung an.

Hormonelle Verhütung ist nicht mehr attraktiv

Auch im Frauenarztzentrum wird der Entschluss gemeinsam beleuchtet. «Wenn dann auch vonseiten der behandelnden Ärzte geprüft wurde, ob der Eingriff durchführbar ist, dann wird ein Termin ausgemacht und der Eingriff gemeinsam geplant.» Prinzipiell reiche auch ein «ich will eine Sterilisation» von der Patientin, aber die Aufklärungspflicht der Ärzte gebietet, dass vollumfänglich über den Eingriff gesprochen wird, sagt Hauser. Auch Fasler betont, dass es wichtig sei, dass die Patientinnen gut aufgeklärt werden. «Es ist schliesslich eine definitive Verhütungsmethode. Dies bedeutet, dass nachfolgende natürliche Schwangerschaften nicht mehr oder nur schwierig möglich sind.»

Haben die Anfragen für eine Sterilisation in den letzten Jahren zugenommen? «Eine Statistik habe ich zwar nicht, aber ich habe das Gefühl, dass die Tendenz etwas steigend ist», berichtet Hauser. Viele Frauen wollen weg von der hormonellen Verhütung und nutzen dazu entweder eine Spirale oder würden sich sterilisieren lassen. Im KSA hingegen sind die Zahlen seit 2016 etwa gleich geblieben. Im Durchschnitt sind es etwa 50 Sterilisationen pro Jahr.

Preise variieren von Spital zu Spital

Die Kosten einer Sterilisation werden in der Regel nicht vollständig von der Krankenkasse übernommen. «Die Patientin muss den Eingriff meist aus eigener Tasche bezahlen», sagt Hauser. Die Preise für den Eingriff variieren. Je nach Grössenordnung und in welchem Spital der Eingriff durchgeführt wird, muss mit 1750 Franken bis zu 2500 Franken gerechnet werden. «Im Frauenarztzentrum kostet der Eingriff circa 1780 Franken.» Allerdings werden die Operationen nicht in den Praxen durchgeführt, sondern das Team operiert im Spital.

Auf Anfrage heisst es beim KSA, dass zu den Kosten keine pauschale Antwort gegeben werden kann. «Diese hängen von den individuellen Umständen ab und werden mit der Patientin fallbezogen besprochen. Je nach Krankenkasse und Zusatzversicherung wird ein Teil der Kosten übernommen», so Fasler.

Je jünger die Frau, desto mehr Beratung

Dabei werden sowohl im Kantonsspital Aarau als auch im Frauenarztzentrum Aargau Frauen aller Altersklassen behandelt. «Auch eine Patientin unter 30 wird bei uns sterilisiert, wenn sie das wünscht. Sollte ich die Frau allerdings nicht kennen, dann frage ich schon genau nach den Beweggründen und will sicher sein, dass diese Entscheidung nicht kurzerhand getroffen wurde, sondern überlegt und fundiert ist. Sollte ich allerdings merken, dass noch Unsicherheiten bestehen, dann erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt ein zweites Gespräch», berichtet Hauser. Dies bestätigt auch Fasler: «Je jünger eine Frau ist, desto ausführlicher beraten wir sie bezüglich eines möglichen Kinderwunsches, weil sich im Verlauf des noch langen reproduktiven Lebens etwas am Kinderwunsch ändern kann. Patientinnen unter 30 gibt es bei uns jedoch wenige.»

Für sie als betreuende Ärztinnen und Ärzte sei es wichtig, den Patientinnen die Möglichkeit, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, nicht frühzeitig zu nehmen, sagt Susanne Fasler weiter. Glücklicherweise gebe es auch andere langfristige Verhütungsmethoden, die sehr sicher seien. «Die Wahl der optimalen Verhütungsmethode ist jedoch ein individueller Entscheid.»

Dass sich manche Ärzte und Ärztinnen in Bezug auf eine Sterilisation bei jungen Frauen recht zurückhaltend zeigen, bekräftigt auch Hauser: «Es gibt Gynäkologen und Gynäkologinnen, die Frauen nicht sterilisieren, wenn sie noch nie geboren haben oder noch kein entsprechendes Alter aufweisen.» Nachvollziehen könne er das aber nicht. «Damit wird den Frauen unterstellt, dass sie nicht wirklich über die Konsequenzen nachgedacht haben und nicht fähig sind, diese auch anschliessend zu tragen.»

Auch das Kantonsspital Baden wurde dazu angefragt. Dort hiess es allerdings, dass sie aktuell nicht über die Ressourcen verfügen, die medizinischen Fragen wie gewünscht beantworten zu können. Und weiter: «Egal, ob bei Mann oder Frau – eine Sterilisation ist ein Eingriff, der nachhaltige Konsequenzen nach sich zieht und daher wohlüberlegt sein will. Deshalb ist es am KSB praktizierter Standard, alle unsere Patientinnen und Patienten vor einem solchen Schritt in einer Sprechstunde umfassend aufzuklären und zu informieren.» Auch auf die Frage, ob sich auch Frauen unter 30 sterilisieren lassen können, erhielten wir keine Antwort.

Sterilisation ist noch kein gesellschaftsfähiges Thema

Auf der Homepage des Kantonsspitals Baden lassen sich jedoch recht schnell allerlei Informationen rund um die Sterilisation finden – im Vergleich zu den Hirslanden Kliniken, dem Kantonsspital Aarau und auch dem Frauenarztzentrum Aargau. Auffallend ist, dass Informationen zur Schwangerschaft oder zur Befruchtung leichter zu finden und sie weitaus umfassender sind als bei einer Sterilisation. Diese müssen recht zeitintensiv gesucht oder sogar per Telefon erfragt werden. «Die Hemmschwelle wird dadurch erhöht», so Hauser. «Ausserdem ist eine Schwangerschaft ein viel gesellschaftsfähigeres Thema als eine Abtreibung oder gar eine Sterilisation.»

Auch können die jeweiligen Kosten eine Rolle spielen. Im Gegensatz zu einer Sterilisation kostet eine Kinderwunschbehandlung mehr. Liegt die Unterbindung einmalig bei 1750 bis 2500 Franken, muss bei einer Hormonbehandlung mit einem Aufwand von etwa 5000 Franken bis 8000 Franken gerechnet werden, wie die Website des Universitätsspital Zürich zeigt. Hinzu kommen allfällige Kosten für das Einfrieren und Aufbewahren überschüssiger befruchteter Eizellen und die jährliche Aufbewahrungsgebühr. Für die Reifung der Eizellen werden auch Hormone benötigt. Die zusätzlichen Kosten dafür betragen je nach Produkt und benötigter Hormonmenge bis etwa 2000 Franken. Von der Krankenkasse werden lediglich die Abklärungskosten übernommen.

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Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 21. März 2023 06:54
aktualisiert: 21. März 2023 06:54