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Weil Halter Rechnungen nicht zahlen können: Tierärzte bleiben auf Tausenden Franken Kosten sitzen

Vermehrt kommt es vor, das Tierhaltende die Rechnungen ihrer Tiere nicht bezahlen.
Foto: Getty
Offene Beträge

Weil Halter Rechnungen nicht zahlen können: Tierärzte bleiben auf Tausenden Franken Kosten sitzen

Ein Gang zum Tierarzt kann ins Geld gehen. Gerade jetzt, da sich während Corona viele erstmals ein Haustier zugelegt haben, kommt es immer wieder zu bösen Überraschungen. Ein Experte verrät, was genau passiert, wenn Rechnungen nicht beglichen werden können.

Gerade Corona hat viele Schweizerinnen und Schweizer auf die Idee gebracht, sich ein Haustier zuzulegen. Doch auch wenn die Freude überwiegt, hin und wieder wird es auch ernst. Ob Hund, Katze oder Maus: Wenn der Vierbeiner verletzt oder krank ist, dann wollen alle Tierbesitzer dasselbe: die schnellstmögliche Hilfe seines geliebten Haustieres. Oft bedeutet das einen Gang zum Tierarzt. Doch das geht schnell ins Geld und wird von den Haustierbesitzerinnen und -besitzern oft unterschätzt.

Schweizer Tierkliniken setzen auf die Direktzahlung

Dass die Tierhalterinnen und -halter die Rechnungen nicht begleichen können, ist laut Roman K. Meier, Geschäftsführer der Tierklinik Aarau West, keine Seltenheit: «In unserem Betrieb werden jährlich Rechnungen im fünfstelligen Bereich nicht bezahlt, was zu einem finanziellen Schaden und administrativen Aufwand führt.» Das ist auch der Grund, weshalb viele Tierärzte die Direktzahlungspflicht eingeführt haben. «Die Kunden müssen direkt im Anschluss an die Behandlung alle Kosten begleichen.» Im Falle von höheren Beträgen können meist Rechnungen ausgestellt werden.

Wenn ein Haustierbesitzer merkt, dass er nicht in der Lage ist, die Rechnung zu begleichen, rät Meier, mit dem Tierarzt oder der Tierärztin das Gespräch zu suchen: «In den allermeisten Fällen findet sich eine Lösung. Häufig werden dann Ratenzahlungsvereinbarungen getroffen.» Wenn eine Kundin oder ein Kunde seine Rechnung allerdings trotz mehrfachen Mahnens nicht bezahlt und auch das Gespräch mit dem Betrieb nicht sucht, wird wie in jedem anderen Geschäft die Betreibung eingeleitet.

Tierarzt empfiehlt eine Tierkrankenkassenversicherung

Gerade Tierbesitzerinnen und -besitzer, die zum ersten Mal ein Haustier halten, sind laut Meier überrascht, was eine Behandlung beim Tierarzt kostet. «Die Tiermedizin hat sich in den letzten Jahren sehr stark entwickelt und es ist heute vieles möglich, was früher nur bei Menschen gemacht wurde. Damit sind aber natürlich auch die Kosten gestiegen», so Meier. Tierhalterinnen und Tierhaltern, die wissen, dass sie hohe Tierarztrechnungen nicht bezahlen können, empfiehlt Meier: «Bei der Anschaffung eines Haustieres sollte eine Tierkrankenversicherung abgeschlossen werden.» Damit sind sie bei Unfällen und plötzlichen Krankheitsfällen wenigstens von der finanziellen Sorgen befreit. Zudem gibt es gewisse Tierschutzorganisationen, welche bei hohen Behandlungskosten finanzielle Unterstützung bieten.

Laut dem Veterinärdienst gibt es zudem Gassentierärzte, welche kostenlose Behandlungen für Tiere von Obdachlosen anbieten. Es sei jedoch ratsam, monatlich einen bestimmten Betrag für das Tier mit einzuberechnen, sollte es zu einer kostspieligen Behandlung kommen.

Wenn das Geld nicht reicht, kann das Tier eingeschläfert werden

Lebensrettende Massnahmen führt die Tierklinik Aarau West bei jedem Tier durch, wie Meier sagt: «Das gehört zu unserem Beruf dazu. Allerdings werden wir bei Tieren von mehrfach gemahnten oder sogar betriebenen Kundinnen und Kunden keine weiterführenden Behandlungen vornehmen.»

Auf Anfrage bestätigt diese Aussage auch Michel Hassler, Mediensprecher Departement Gesundheit und Soziales: «Tierhaltende sind nach Tierschutzgesetzgebung verpflichtet, ihr Tier entsprechend ihrem Zustand zu behandeln.» Weiter erklärt Hassler: «Die Tiere müssen aus Tierschutzgründen immer behandelt oder eingeschläfert werden.» Können die Besitzer die notwendige Behandlung nicht bezahlen, möchten das Tier aber auch nicht einschläfern lassen, haben sie die Möglichkeit, es abzugeben. «Das Tier kann dann an eine Person weitergegeben werden oder in eine Institution gebracht werden, welche die Kosten tragen kann.»

Gemäss Hassler und Meier ist es ratsam, dass man sich gründlich über die Bedürfnisse des zukünftigen Tieres informieren sollte. So kann man herausfinden, ob das Tier zu den Lebensumständen passt und mit welchen Krankheiten das Tier oft zu kämpfen hat. Auch sollte man sich bewusst sein, dass man mit der Anschaffung eines Tieres einen treuen Begleiter ins Leben holt, der in der Regel die nächsten zehn bis zwanzig Jahre intensiv betreut werden muss.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 7. März 2022 06:44
aktualisiert: 7. März 2022 06:44
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