Archäologie

Diese alte Kirche in Aarau gibt Rätsel auf

In der Aarauer Telli begleitet die Kantonsarchäologie momentan Aushubarbeiten eines Neubauprojekts. Dabei legte sie Teile einer mittelalterlichen Kirche und zugehörige Gräber frei. Wohin diese gehört und aus welchem Jahr sie stammt, bleibt allerdings unklar.

Bereits in den 1960er-Jahren wurden die Fundamente der mittelalterlichen Kirche ausgegraben. Im Rahmen von Aushubarbeiten eines Neubaus am Philosophenweg in der Aarauer Telli legte die Aargauer Kantonsarchäologie jetzt weitere Teile der Kirche sowie Gräber frei.

Wie es in einer Mitteilung heisst, wurden mehrere sogenannte Grabschatten dokumentiert. «Die dunklen Verfärbungen zeigen an, dass sich hier Grabgruben mit Körperbestattungen im Boden befinden.» Das Grabungsteam konnte Überreste eines Schädels und mehrere Rippen freilegen.

Verschwundener Kirche auf der Spur

Was der Kantonsarchäologie jedoch Rätsel aufgibt: Wohin gehört diese Kirche? Hinweise auf eine zeitgleiche, mittelalterliche Siedlung seien in der Flur Telli nicht vorhanden, heisst es in der Mitteilung weiter. Grund für den Standort könnte jedoch die flussnahe und entsprechend hochwassergefährdete Lage sein. «Die Kirche stand damals mutmasslich auf einer Aareinsel, die später verlandete.» Auch die Gräber liefern zudem keine konkreten Hinweise auf die Datierung der Kirche.

Ein altes Kartenblatt aus dem 18. Jahrhundert zeigt aber, dass die Überquerung der Aare einst in der Telli lag. Weil die Kirche in unmittelbarer Nähe lag, gehen die Archäologen davon aus, dass es sich um eine Schutzkirche an der Aarefurt handeln könnte. «Da die Querung eines Flusses durch eine Furt stets mit Gefahren verbunden war, sollten Kirchen und Kapellen am Ufer Sicherheit bringen.» Auch die Grösse der Anlage sowie ihre Funktion als Begräbniskirche würden für eine gewisse Bedeutung des Sakralbaus sprechen.

Öffentliche Grabungsführungen für Interessierte

Die Kantonsarchäologie begleitet die Bauarbeiten in der Telli und somit die Ausgrabungen der Kirche noch über den Winter 2023/24 hinaus. Im Zentrum stehe dabei die Frage nach der Datierung der Kirche und ob sich darunter vielleicht ein älterer Vorgängerbau befindet.

Interessierte können aber jetzt schon die freigelegten Strukturen an öffentlichen Grabungsführungen besichtigen. Diese finden am Freitag, 15. Dezember 2023, um 17 und 17.30 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 4. Dezember 2023 11:18
aktualisiert: 4. Dezember 2023 11:18