Aarau

«Birchermüesli»-Erfinder hat Geburtstag

Der Aarauer Arzt Max Bircher-Benner hat einen Schweizer Exportschlager geschaffen. Dank ihm weiss man heute weltweit, was ein Müesli ist. Anfang 20. Jahrhundert nahmen Ärzte seine Ernährungsgrundsätze noch nicht ernst.

Er wollte eine gesunde Ernährung bekannt machen, am Ende exportierte Max Oskar Bircher-Benner sogar ein Schweizerdeutsches Wort: Das «Muesli» ist heute weltbekannt. Auch wenn die Ausländer aus dem Umlaut ein «u» machen. Und auch wenn die meisten heutigen Müesli sich von dem unterscheiden, was der Arzt ab 1902 seinen Patienten in seinem Sanatorium am Zürichberg vorsetzte: Haferflocken, die damals noch länger eingeweicht werden mussten, bis man sie schlucken konnte, untergemischt Äpfel, Nüsse, Zitronensaft und gezuckerte Kondensmilch.

Wer macht das beste Birchermüesli?

Redaktor Roland Kündig oder Redaktions-Praktiant Michael Kuhn im «Birchermüesli»-Battle.

Die Idee dazu soll er von einer Sennerin übernommen haben, die ihn damit auf einer Bergwanderung bewirtet hatte. Von der Rohkost war er schon vorher überzeugt gewesen und experimentierte mit seinen sieben Kindern und den Patienten. Doch als er 1900 im Zunfthaus zur Saffran vor Zürcher Ärzten erstmals erklärte, dass Getreide, Früchte, und Gemüse hochwertigere Nahrung als Fleisch seien, erntete er Spott. Der Vorsitzende der Zürcher Ärzteschaft erklärte: «Herr Bircher hat die Grenzen der Wissenschaft verlassen.»

Schon vorher war Bircher-Benner zum überzeugten Alkohol-Abstinenten geworden – was ihn ebenfalls zum Sonderling gemacht hatte. Der Erfolg mit seiner Klinik und Ernährungslehre kam später.

Bald für Krankheiten interessiert

Max Bircher-Benner wurde vor 150 Jahren am 22. August 1867 in Aarau geboren und soll sich früh für die Krankheiten innerhalb seiner Familie interessiert haben. Er war offenbar zudem ein guter Pianist. Am Jugendfest der Stadt habe er die spätere grosse Opernsängerin Erika Wedekind bei ihrem ersten Auftritt in der Aarauer Stadtkirche zur Arie «Eurydike» begleiten dürfen, schreibt seine Jugendfreundin und spätere Mundartschriftstellerin Sophie Hämmerli-Marti. Sie sagt über ihren Jugendfreund: «Eine unerhörte Willenskraft war dem verschlossenen Menschen eigen. Er meisterte und stählte seinen eher schwächlichen Körper durch harte Willensübungen: Turnen, Reiten, Jurawanderungen bei jedem Wetter und Schwimmen im kalten Aarewasser.»

In seinem Mus waren ihm vor allem die Äpfel wichtig. Deshalb nannte er es die «Apfeldiätspeise». Ob er auch mit Bananen und Trauben einverstanden gewesen wäre, wie sie heute häufig in Müesli gemischt werden? Und die Zuckerzusätze und Schokolade-Stückchen der kommerziellen Müeslisorten? Die süsse Kondensmilch soll er nur verwendet haben, weil die Rohmilch damals ein zu grosses Tuberkulose-Risiko barg.

Birchermüesli-Weltrekordversuch im Jahr 2012

Vom Abendessen zum Frühstück

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatte das Birchermüesli den Durchbruch geschafft: Die Schweizer assen es regelmässig zum Znacht und es wurde auch in Gefängnissen, Heimen und dem Militär aufgetischt. Noch heute wird es manchmal abends gegessen, doch ist es inzwischen vor allem auf dem Frühstückstisch und den Brunch-Buffets populär.

In Aarau erinnert nur der Bircher-Benner-Weg an den Arzt. Es heisst, bei der Einweihung 50 Jahre nach seinem Tod, 1939, habe es ausnahmsweise statt Weisswein Apfelsaft zu trinken und statt Salzgebäck Birchermüesli zu essen gegeben.

Michael Wettstein

Quelle: Schweiz am Wochenende / Radio Argovia 22.8.2017

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