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Aargau

Stellenabbau bei General Electric?

Seit gut drei Wochen wird über einen möglichen Stellenabbau des amerikanischen Konzerns im Aargau spekuliert. Bis zu 1'300 Stellen könnten an den Standorten Baden, Oberentfelden und Birr betroffen sein.

Der angeschlagene US-Konzern General Electric verordnet sich eine Schrumpfkur. Tausende Stellen sollen gestrichen werden. Die bisherige Komplexität der Konzernstruktur "schadet uns", erklärte der neue Unternehmenschef John Flannery an einer Investorenkonferenz in New York.

GE werde künftig "simpler" strukturiert und "fokussierter" sein. Auch wird die Dividende erstmals seit 2009 gekürzt. Der Mischkonzern will sich künftig auf die Bereiche Luftfahrt, Gesundheit und Energie konzentrieren. Zu den Folgen für die Schweiz und speziell den Aargau sagt der Konzern nichts.

Vor rund drei Wochen wollte General Electric den Stellenabbau auf Anfrage von Radio Argovia nicht bestätigen:

«Wir können die genannte Zahl von 1300 bedrohten Stellen an den Standorten in der Schweiz nicht bestätigen. Ebenfalls wird der Zeithorizont der Umsetzung wie genannt nicht bestätigt. Zum derzeitigen Zeitpunkt können wir leider keine genaueren Angaben machen.»

Ein richtiges Dementi ist das nicht.

Restrukturierungsmassnahmen

Für den Aargauer Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann kommt der mögliche Stellenabbau nicht überraschend: «Es ist seit mehreren Wochen bekannt, dass GE weltweit in einem schlechten Zustand ist». Der neue CEO des Konzerns habe bereits grössere Restrukturierungsmassnahmen angekündigt.

Trotzdem ist auch dann noch nicht sicher, wo und wie viele Stellen abgebaut werden. Zuerst muss der europäische Betriebsrat konsultiert werden, erst dann beginnt die Ausmarchung in den einzelnen Ländern.

Dass GE an den Sparten Energie und Gesundheit festhalten wolle, sei positiv für die Schweizer GE-Standorte Birr, Oberentfelden und Baden im Kanton Aargau sowie den kleinen GE-Standort im Tessin, heisst es bei der Gewerkschaft «Syna» auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Pessimistisch stimmten jedoch die Pläne zur Verschlankung der Kostenstruktur. Das bedeute nichts Gutes für den Standort Schweiz mit seiner hohen Kostenstruktur. Im schlimmsten Fall würde GE wohl die Produktion und Service in der Gas- und Wasserkraft in einem anderen europäischen Standort konzentrieren, so «Syna» weiter.

Dividende halbiert

Erste Massnahmen hat General Electric aber bereits getroffen. Das Unternehmen hat vor dem Start des Investoren-Tags die Dividende, die es den Aktionären vierteljährlich auszahlt, halbiert. Damit behält man pro Jahr rund vier Milliarden Dollar mehr im Unternehmen.

Dem Konzern droht nun aber der Ausschluss aus dem US-amerikanischen Aktien-Index Dow Jones. Das würde Finanzgeschichte schreiben: General Electric ist eines der Gründungsmitglieder des weltweit bekanntesten Aktien-Indexes und seit dem Start 1896 dabei.

 

Tim Eppler

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